Dr. Christoph Morgner
Präses des Ev. Gnadauer Gemeinschafts-verbandes

Grundlagen Texte
Auszüge aus dem Bericht von Präses Dr. Christoph Morgner, Kassel, vor der Gnadauer Mitgliederversammlung im Februar 2005, die sich anlässlich des Startes des „Zahnrad-Prozesses“

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Wolfgang Kleemann
Rodenbach/Pfalz, ist Schulrektor i.R. und Mitglied des Gnadauer Pädagogischen Arbeitskreises

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Die Großeltern:
Anker in der Vergangenheit – Anlegepunkt in der Gegenwart – Fenster in die Zukunft

Oder: Auch das ist Zahnrad!

Oma und Opa sind für die meisten Kinder wichtige Ansprechpartner und liebevolle Lebensbegleiter. So finden 37 Prozent der Kinder und Jugendlichen, dass ihre Großeltern immer für sie da sind, und 28 Prozent haben das Gefühl, immer zu ihnen gehen zu können, wenn ihre Eltern mal nicht da sind. Das ergab eine Umfrage der Zeitschrift „Eltern for family“ unter knapp 1.500 Mädchen und Jungen. Auf die Frage „Warum sind deine Großeltern wichtig für dich“ sagt ein zwölfjähriger Realschüler: „Weil sie nett sind und mich lieb haben. Und das erste Gesicht, das ich nach meiner Geburt sah, war das meiner Oma“. Eine neujährige Grundschülerin sieht das ähnlich: „Weil ich sie lieb habe und ohne sie nicht leben kann. Ich wäre verloren ohne sie. Sie geben mir so viel.“ Ein Viertel der befragten Kinder empfindet, dass ihre Großeltern ein fester Bestandteil ihrer Familien sind. „Meine Eltern gehen arbeiten und haben wenig Zeit für mich. Aber meine Großeltern sind schon in Rente und haben immer Zeit für mich“, sagt beispielsweise eine zwölfjährige Gymnasiastin. (Quelle: Tageszeitung „DIE RHEINPFALZ“ vom 12. November 2005)

Die Antworten werfen ein Schlaglicht auf eine Beziehung von offenbar großer Bedeutung im Leben der heranwachsenden Generation. Das ist auch nicht verwunderlich, denn immerhin betreuen heute etwa 60% der Großeltern mehr oder weniger regelmäßig ihre Enkel. Eine besondere Rolle scheinen dabei wiederum die Großmütter zu spielen. Im persönlichen Erinnern und bei Begegnungen mit längst Erwachsenen wird die Großmutter häufiger genannt als der Großvater. Hölderlin etwa widmete seiner 72jährigen „verehrungswürdigen Großmutter“ ein in sehr gehobener Sprache verfasstes Gedicht. Als „zufrieden und fromm, glaubend und duldend“ beschreibt er sie, und darin als für ihn beispielgebend. Dankbar denkt er „... zurück an längst vergangene Tage, und an das Haus, wo ich einst bei deinen Segnungen aufwuchs, wo, von Liebe genährt, schneller der Knabe gedieh.“ Und ein Zitat unbekannter Herkunft stellt fest: „Wenn man traurig ist, ist man nirgends so gut aufgehoben, wie auf Omas Schoß.“

Bevor nun ein allzu idyllisch-hehres Bild von Großmüttern entsteht, sei exemplarisch auf die Großmuttererfahrungen des 2002 verstorbenen Publizisten und Philosophieprofessors Christian Graf von Krockow verwiesen. Seine Großmutter mütterlicherseits kann er „zu allem so herrlich ... gebrauchen, ob zum Schmieden treffsicherer Uz-Verse oder dazu, dass sie, die Siebzigjährige, dem stolpernden Enkel die Eleganz auf Schlittschuhen vorführt. ´Frau Liebe` nennt sie jeder. Das ist sie.“ Schlechter kommt die Großmutter väterlicherseits weg, die für den Knaben „ein Schrecken“, stocksteif und steinalt ist und „die Eiserne“ genannt wird. Im Bewusstsein dieser sicher nicht allzu seltenen Ambivalenz soll über die unstreitig vorhandenen Einflüsse der Großeltern auf die Entwicklung ihrer Enkel nachgedacht werden.

Notwendig ist es auch zu erwähnen, dass zwischen vielen Großeltern und ihren Enkeln kein oder nur eingeschränkter Kontakt möglich ist. Zum einen wohnen die Enkelfamilien weiter von den Großeltern entfernt, so dass Besuche seltener, und dann immer in „Sonntagsatmosphäre“ stattfinden. Zum anderen ist leider an die in Folge von Scheidungen zerbrochenen oder gar gerichtlich verbotenen Großeltern-Enkel-Beziehungen zu erinnern. Auf diese besondere Problematik geht das Folgende nicht ein.

Zugrunde liegt die Annahme einer guten, d.h. im stillschweigenden oder konkret abgesprochenen Einverständnis zwischen Großeltern und Kindeseltern sich vollziehenden regelmäßigen Großeltern-Enkel-Beziehung. Gemeint ist ein seinem Wesen nach emotionales, seiner Ausprägung nach eher funktionales als intentionales Verhältnis, das die Erstverantwortlichkeit der Eltern für die Erziehung beachtet und deren Prioritätensetzungen in Sach- und Verhaltensfragen respektiert.

Dass Großeltern für diese Aufgabe gute Voraussetzungen mitbringen, begründet der Psychologe Ulrich Beer so: „Die Großeltern sind innerlich zur Ruhe gekommen. Sie sind die idealen Partner für alle Jüngeren, die Partner, die Geduld haben, Zeit haben, zuhören können, ja die Liebe zeigen können, bevor sie eifersüchtig Liebe und Anerkennung erwarten.“ In diesem Sinne können sie zu Wegbegleitern ihrer Enkel werden und Einfluss nehmen auf deren Persönlichkeitsentwicklung. Auf diese Weise leistet gelingende Großelternschaft einen unverzichtbarer Beitrag zum Miteinander der Generationen, das aus biblischer Sicht insbesondere im Alten Testament unter Verheißung steht. So gesehen gibt es auf allen Seiten nur Gewinner.

In drei Gedankenkreisen soll die Bedeutung der Großeltern für die Persönlichkeitsentwicklung skizzierte werden.

1. Großeltern sind Anker in der Vergangenheit

Nach Beer stehen die Großeltern an der Spitze der Familie und gehen den folgenden Generationen voraus. Dadurch helfen sie, die Stabilität im "Gefüge Familie" zu gewährleisten. Sie machen Herkunft bewusst, verbinden die gegenwärtige mit den vorangegangenen Generationen und stellen damit einen unverzichtbaren Identitätszusammenhang her.

Dass ein solcher Zusammenhang auch schon von kleinen Kindern erspürt werden kann, zeigt eine kleine Episode, die sich beim Friedhofsbesuch im Geburtsort meiner Mutter zutrug. Mit dabei war unsere damals dreijährige Enkelin Nora. Gemeinsam mit ihrer Ur-Großmutter stand sie am Grab von deren Großeltern. Ihr Vater erklärte ihr, dass hier Oma und Opa ihrer Uroma beerdigt seien. Nora begann bitter zu weinen. Nach dem Grund gefragt, antwortete sie: „Jetzt kann ich meine Urgroßeltern nicht mehr sehen.“ Diese sind 1923 und 1936 verstorben, also schon vor meiner Geburt. Mir selbst sind sie durch die Erzählungen von Mutter und Großmutter, von Bildern und Briefen her bekannt und nicht zuletzt durch die noch vorhandene Grabstätte nahe. Der Bogen spannt sich auf diese Weise z.B. für meine Enkelkinder über ihre noch lebende Ur-Großmutter von deren Großmutter an gerechnet bis heute, d.h. von 1856 bis 2005 über rund 150 Jahre.

Woher komme ich?

Diese ur-menschliche Frage, die auch Kinder zumindest dem Sinne nach so stellen, erfährt auch durch die Großeltern authentische Antwort. Indem sie den Enkeln die familialen Zusammenhänge nahe bringen, tragen sie zu deren Identitätsfindung bei. Lebendig wird dies durch Bilder und Erzählungen von den Altvorderen. Wie Oma und Opa selbst sind - vom Aussehen über Verhaltensweisen bis hin zur Gestaltung des zwischenmenschlichen Miteinanders, wie Groß- oder Urgroßeltern aussahen, sprachen und in ihrer Zeit handelten, setzt Orientierungspunkte, eben Ankerpunkte in der Vergangenheit, an denen das junge Lebensschifflein Halt finden kann. Vielleicht werden vorhandene eigene Gewohnheiten als Teil des die Generationen verbindenden Erbgutes erkannt: Das habe ich von ... geerbt (hoffentlich Gutes!). Solche „Geschlechterreisen“ verhelfen zum Begreifen der eigenen Identität.

Wohin gehöre ich?

Großeltern spielen auch im familialen Miteinander von Eltern und Kindern eine bedeutsame Rolle. Sie verfügen über ein exklusives Wissen darüber, wie Mutter und Vater selbst als Kinder und Heranwachsende waren. Gemeinsame Bildbetrachtungen, evtl. Tonaufnahmen und Filme machen Eltern begreiflicher: „So war dein Papa / deine Mama als Kind!“ Besonders in der Pubertät auftretende kritische Rückfragen zum Verhalten der Eltern erhalten so unverfänglichere und nicht sofort zum Widerspruch reizende Antworten. Den Papa / die Mama als Kind zu erleben, schafft Begegnung auf Augenhöhe.

Wie war das eigentlich früher? Oma/ Opa, erzähl doch mal!

Wo diese Bitte erfüllt wird, hat das Fernsehen keine Chance. Kinder sind an lebendiger Geschichte in Geschichten in der Regel sehr interessiert. Vergangenes, die Familie und sie selbst mit betreffendes, wird lebendig und fügt die Enkel in eine lange Kette von Geschehnissen ein. Das Wissen um Vergangenes birgt Deutungshilfen für die Gegenwart. Die Funktion der Großeltern als Zeitzeugen stellt den Enkeln Bilder sowohl aus ihrem eigenen Er-Leben als auch aus dem ihrer Eltern und Großeltern vor Augen. Über letztere haben sie sogar Kunde von deren Großeltern. Dadurch sind sie Bindeglied in die Vergangenheit, die in meinem Falle bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückführt. So erinnere ich mich noch der Erzählung meiner Großmutter über den von ihrer Mutter beobachteten Marsch französischer Truppen in Richtung ihres Dorfes im deutsch-französischen Krieg von 1870/71. Sie sei damals aufgeregt nach Hause gerannt, weil sie einen vom Nachbardorf her kommenden Trupp „Rothosen“ gesehen hatte. Seitdem wusste ich, dass die französischen Soldaten damals (bis übrigens in die Zeit des Ersten Weltkriegs hinein) rote Hosen als Uniformteil trugen. Vielleicht hat das auch das bleibende Interesse an Geschichte geweckt.

Nicht von ungefähr tragen Fernsehsendungen und Bücher den Titel „Was Großmutter noch wusste“ oder „Wie Großvater das machte“. Sie machen den Lebensalltag und die Lebensweisheiten früherer Generationen sichtbar, hörbar und begreifbar. Sie vermitteln dadurch Kulturteilhabe und bahnen kulturelle Identität an, was gerade im multikulturellen Zeitalter von höchster Bedeutung ist. Großeltern können hier ihren Enkeln nach dem Prinzip „von der Nähe zur Ferne“ ein Stückchen bei deren Welteroberung und Heranbildung ihrer kulturellen Identität helfen.

2. Großeltern sind Anlegepunkte in der Gegenwart

„Erst bei den Enkeln ist man so weit, dass man die Kinder ungefähr verstehen kann.“ Was Erich Kästner hier sehr treffend formuliert, ist Grundstein eines Vertrauensgebäudes, das auf vielfältige Weise möbliert und mit Leben gefüllt werden kann. Großeltern haben dafür Zeit, in der Regel eher als die noch voll im Beruf stehenden Eltern, insbesondere dann, wenn sie selbst im Ruhestand sind. Bei meiner Ruhestandsversetzung sangen mir meine Kinder und Freunde das Lied von den „späten Jahren“, wo es u.a. heißt: „Schenk einem Kind dein Herz und dein Vertrauen und geh mit ihm ins Land der Kinderzeit. Erzähle ihm, woran du glaubst im Leben und wie es war in der Vergangenheit.“ Das beschreibt in feiner Weise die wichtige Aufgabe der Großelternschaft: Bereit zu sein, dem Kind um seinetwillen ein Kind zu werden. Dies kann viele persönlichkeitsbildende Akzente setzen, die mit den folgenden Aufforderungssätzen nur unvollständig angedeutet und angerissen werden können:

„Oma / Opa, komm und spiel mit mir!“

Spiel- und Erlebnispädagogik verbinden sich hier in fast idealer Weise. Oma oder Opa, vielleicht mit dem Enkelkind auf dem Boden sitzend, werden zum Teil des Spiels und der Kinderwelt. Je nach Alter des Enkelkindes kommt es zu kreativem Gestalten, planmäßigem Bauen, strategischer Planung, rücksichtsvoller Zusammenarbeit. Gelingen und Misserfolg werden gemeinsam erlebt. Gewinnen und verlieren können wird vorgemacht und geübt. Möglichkeiten und Grenzen werden erfahren. Merkfähigkeit und Intelligenz werden ebenso gefördert wie die Fähigkeit personen- und sachbezogener Kommunikation. ... Die im Spiel enthaltenen Bildungschancen sind unerschöpflich und mit Freude wahrzunehmen. Dazu haben Großeltern außer der nötigen Zeit hoffentlich auch noch die ebenso wichtige Geduld.

„Oma / Opa, komm und sing mit mir!“

„Gerade das Singen spielt bei Kindern für die Entwicklung von Kreativität und Persönlichkeit eine große Rolle. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Singen Intelligenz und Lebensfreude fördert. Singen hat nicht nur eine hohe soziale Funktion, sondern steigert nachweislich die geistige Leistungsfähigkeit. Auch wird ein wesentlicher Beitrag zur Sprachentwicklung geleistet. Für die Eltern ist das gemeinsame Musizieren eine Möglichkeit, die Beziehung zu ihren Kindern zu bereichern.“ Mit diesen Sätzen wirbt die Jugendmusikschule in Göppingen auf ihrer Homepage für ihr Angebot. Großeltern können diese wichtige Bildungsaufgabe in häuslicher Umgebung übernehmen, dabei gewiss auch sich selbst zur Freude. Entsprechend ausgewählte geistliche und weltliche Kinder- und Volkslieder vermitteln Wissen, erschließen einen Teilbereich der Lyrik und machen empfindsam für Stimmungen.

„Oma / Opa, komm und fahr mit mir!“

Aus eigener Erfahrung kann ich solche Entdeckertouren im heimatlichen Raum sehr empfehlen. Ob es um die Erwanderung der Umgebung, den naturbetrachtenden Spaziergang, eine Burgerkundung oder eine Tagesfahrt mit der Eisenbahn per Länderticket geht: Die Freude ist in der Regel für alle groß und das gemeinsame Erleben münzt sich in bleibende Erinnerungen um.

„Oma / Opa, komm und lern mit mir!“

Billigere Nachhilfelehrer kann eine junge Familie nicht bekommen. Besonders wichtig ist diese Hilfsfunktion für Alleinerziehende. Neben den praktischen Effekt tritt aber insbesondere das Geduldskapital, mit dem Großeltern in der Regel großzügiger umgehen können als die Eltern. Beim Lernen geht es aber auch um „handgreifliche“ Dinge wie die Einübung in früher Selbstverständliches: Hof kehren, Rasen mähen, Gartenbeete umgraben, im Haus mitarbeiten. Gewinnen können dabei beide. Ich selbst tausche mit meinem Enkel z.B. Englisch-Nachhilfe gegen die Teilhabe an seinen Französischkenntnissen. Und bald werde ich ihn bei Problemen mit dem PC und den elektronischen Medien um Rat und Tat fragen müssen.

„Oma / Opa, komm und bet mit mir!“

Einen wichtigen Beitrag können Großeltern zur religiösen Erziehung der Kinder leisten. „Erzähle ihm, woran du glaubst im Leben ...“, so lautete die Aufforderung im vorher zitierten Lied. Dieses Erzählen ist zuvörderst ganz wörtlich gemeint. Es äußert sich in der Praxis des geistlichen Lebens im Haus der Großeltern. Ob, wann und wie dort gebetet wird, hat seine Wirkung auf die Kinder. Ebenso auch der Umgang mit dem biblischen Wort und dessen Umsetzung im Alltag. Kinder sind offen für Rituale wie Gute-Nacht-Geschichten, das Tisch- und das Abendgebet. Dies gilt auch, wenn die Eltern selbst dies nicht so praktizieren. Großeltern haben dann eine doppelt wichtige Aufgabe. Es ist auch für sie selbst im Sinne der Psalmverse aus Ps. 71, 17 und 18 von Wichtigkeit, wo es heißt: „Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder. Auch im Alter, Gott, verlass mich nicht, und wenn ich grau werde, bis ich deine Macht verkündige Kindeskindern und deine Kraft allen, die noch kommen sollen.“

3. Großeltern sind Fenster in die Zukunft

In ihren Großeltern begegnet den Enkeln weitgehend gelebtes Leben. Mit zunehmendem Alter erkennen Enkel darin möglicherweise einen Teil ihrer eigenen Zukunft: Mühe und Bewährung in Beruf und Familie; Umgang mit Glückserfahrungen und existenziellen Herausforderungen; Bewusstwerden von Zerbrechlichkeit und unausweichlicher Endlichkeit des Lebens. Daran können sie reifen, bis hin zur Einübung einer „ars moriendi“ im Sinne des „Bedenkens, dass wir sterben müssen“ als Frucht geistlich gereifter Klugheit. Großelternschaft in gelebter Hoffnung auf die Auferstehung ist dazu eine Hilfe und stößt das bedeutsamste Fenster in die Zukunft auf.

4. Ein Forschungsergebnis zum Schluss

Die vorstehenden, eher subjektiv gefärbten Akzente sollen zum Schluss ergänzt und zusammengefasst werden durch den Hinweis auf ein Forschungsergebnis zur Frage der Bedeutung der Großeltern für die Generationenbeziehungen. Bei der Internetsuche danach fiel auf, dass man sich in der Schweiz und in Österreich offenbar besonders für die Erforschung der Bedeutung von Großelternschaft interessiert.

Angefügt sei der Beitrag des Schweizer Gerontologen Francois Höpflinger, der im Internet verschiedene Studien über Großeltern und Generationenbeziehungen zitiert, die Großelternstile untersuchten: "Im Rahmen einer multidimensionalen Konzeptualisierung der Bedeutung von Großelternschaft identifizierte H. Kivnick (The Meaning of Grandparenthood, Ann Harbor: UMI Research Press 1982) in ihren Tiefeninterviews mit 286 Großeltern fünf unterschiedliche Bedeutungsdimensionen von Großelternschaft:

1. Zentralität (centrality) der Großelternrolle für das Leben in dieser Lebensphase.

2. Wert des Alters (valued elder). Großelternschaft wird als wertvolle und sozial anerkannte Altersrolle interpretiert (wobei hier an die Idee der weisen Alten angeknüpft wird).

3. Unsterblichkeit durch Generationenabfolge (immortality through clan): Großelternschaft ist der sichtbare Beweis der familialen Kontinuität und des persönlichen Weiterlebens der Nachkommen.

4. Wiedererleben der persönlichen Vergangenheit (reinvolvement with personal past). Großelternschaft erlaubt durch den Kontakt mit Enkelkindern, an eigenen Erfahrungen (Kindheit, eigene Elternschaft) anzuknüpfen.

5. Nachsichtigkeit (indulgence): Großelternschaft ist eine Rolle, die gegenüber den Enkeln eine hohe Toleranz, Nachsichtigkeit oder sogar Verwöhnung erlaubt."

(Quelle: Francois Höpflinger: "Großelternschaft und Generationenbeziehungen". http://www.intergeneration.ch; Rubrik Artikel; 28.04.2003, S. 1-11.)