Dr. Christoph Morgner
Präses des Ev. Gnadauer Gemeinschafts-verbandes

Grundlagen Texte
Auszüge aus dem Bericht von Präses Dr. Christoph Morgner, Kassel, vor der Gnadauer Mitgliederversammlung im Februar 2005, die sich anlässlich des Startes des „Zahnrad-Prozesses“

Mehr...
   





 
Roland Tober

Thomas Clever

Roland Tober
Prediger in Bad Oeyenhausen
Thomas Clever
EC-Jugendregerent in Rheinland-Westfalen

Als PDF ansehen oder downloaden.



„Wir geben unserer Jugend ein Zuhause“
Unsere Gemeinschaft als wohltuendes Zuhause für Jung und Alt
– Geistliche Impulse für ältere Menschen

Einführende Gedanken

„Wir geben unserer Jugend ein Zuhause“. Das ist ein gutes Thema. Allein schon deshalb, weil hier ein Wunsch – besser noch – ein Herzenswunsch vieler Gemeinschaften und Gemeinden ausgedrückt wird. Wer wollte das nicht – lebendige Jugendarbeit in unseren Landeskirchlichen Gemeinschaften! Aber wie gelingt das? Wie schaffen wir es, dass junge und ältere Menschen ganz selbstverständlich in unseren Gemeinschaften dazugehören und mitarbeiten?

Ich bin fest davon überzeugt, dass es nicht Programme und Aktionen in erster Linie sind, die diesen Wunsch realisieren. Der Ansatz zu einer integrierten Jugendarbeit unserer Gemeinschaften liegt anderswo, nämlich ganz grundsätzlich außerhalb unserer selbstständigen Aktionen, außerhalb aller möglichen und unmöglichen „Machbarkeitsvorstellungen“ von Vorständen und Verantwortlichen der Gemeinschaft. Jugendarbeit innerhalb einer Gemeinschaft ist eben nicht einfach am „Reißbrett“ zu planen. Im Übrigen ist eine Gemeinschaft nicht gut beraten, wenn Strategien, Programme und Aktionen primär das Denken und Handeln bestimmen. Auch ist es nicht einfach nur damit getan, einen Jugendkreis gelegentlich im Gottesdienst singen zu lassen, bestenfalls einmal ein etwas anderes Programm von Jugendlichen gestalten zu lassen. Sicher, das ist besser als gar nichts.

Entscheidend ist, dass sich junge Leute in der Gemeinschaft zuhause fühlen. Aber wie machen wir das? Hierbei gilt ganz grundsätzlich: Wenn wir Älteren uns selbst ein gutes Zuhause geben, oder besser – unser von Jesus Christus geschenktes Zuhause nach Gottes Willen ausleben und gestalten, dann sind wir auf einem guten Weg, auch unserer Jugend ein Zuhause zu geben. Dann werden sich auch junge Leute eher bei uns wohlfühlen. Nur dies kann der rechte Ansatz für unsere Überlegungen sein. Sicher, Gott kann auch sein Ziel ohne uns erreichen. Aber aus Liebe zu uns will er das nicht ohne uns tun.

Die folgende Gleichniserzählung soll uns einen Anstoß geben, miteinander über unser Zuhause in der Landeskirchlichen Gemeinschaft ins Gespräch zu kommen. Sie ist eine Anlehnung an Matthäus 19,30-20,16.

Hinweis zur Gleichniserzählung: Der Marktplatz („agora“, Mt. 20,3), von dem der Hausherr seine Arbeiter wegholt, war der Ort, wo viele arbeitslose Menschen ihre Arbeitskraft angeboten haben. Der Weinberg („ampelohn“) steht für die enge Gemeinschaft Gottes bzw. Jesu Christi mit seiner Gemeinde. Dementsprechend habe ich die Orte „Marktplatz“ mit „Bundesagentur für Arbeit“ und „Weinberg“ mit „Gemeinschaftshäuser“ ersetzt, in denen wir ja enge Gemeinschaft mit Jesus Christus und untereinander erleben dürfen.

Hinweis für den Austausch über die Gleichniserzählung: Bitte richten Sie ihr Augenmerk nicht auf die Problematik der Arbeitslosigkeit. Dies wäre eine eigene Betrachtung wert. Fassen Sie besonders das Handeln des „Herrn“ mit seinen Menschen in den Gemeinschaftshäusern und deren Verhaltensweisen ins Auge!

1. Eine Gleichniserzählung: „Die Letzten sind die Ersten“

Das Himmelreich gleicht einem Herrn, der sich schon früh aufmachte, um Menschen reich zu beschenken. So kam er selbst in die Welt, baute hier und dort Gemeinschaftshäuser, richtete sie freundlich ein, damit alle, die bei ihm Zuhause sind, sich für alle Zeiten geborgen fühlen. Selbstverständlich sorgte er auch dafür, dass alle etwas zu tun haben in diesem neuen Zuhause. Ihm ist es wichtig, dass seine Menschen miteinander feiern und fröhlich sind. Aber es ist ihm auch wichtig, dass seine Menschen sich gegenseitig stärken und Mut machen, wenn sie schwach werden oder traurig sind. Denn schließlich sollten sie sich alle Zuhause fühlen, die Jungen und die Alten, die Starken und die Schwachen, die Großen und die Kleinen.

Nachdem er alles für sie liebevoll hergerichtet hat, ging er früh hinaus, um Menschen für seine Gemeinschaftshäuser zu suchen. Er ging in die Stadt und sah in einem Gebäude viele, die Arbeit suchten. Über dem Portal stand in großen Lettern: „Arbeitsamt“. Der Herr sprach die Menschen an und lud sie alle ein in sein schönes Zuhause. Dort sollten sie unkündbar mit ihm und miteinander leben und arbeiten. Und obendrein sicherte er ihnen einen festen Lohn zu. Diese Einladung nahmen sie dankbar an. Und auch die Lohnvereinbarung machte sie richtig froh.

Die Gemeinschaftshäuser füllten sich mit Leben. Der Herr kümmerte sich beständig um seine Menschen. Für jeden war er da. Und für jeden war er immer ansprechbar. Er freute sich darüber, wenn sie mit ihm sprachen. Alle, die in seinen Häusern lebten, wurden in der Gemeinschaft mit ihm zu ganz neuen Menschen. Und das von Anfang an. Alle priesen sie diesen einzigartigen Herrn und waren voller Dankbarkeit und Freude darüber, dass sie dabei sein – und sogar für diesen Herrn arbeiten durften.

Der Herr liebte die Menschen in seinen Häusern. Aber er liebte auch all die anderen Menschen, die ihn und seine Gemeinschaftshäuser noch nicht kannten. Darum ging er nach kurzer Zeit noch einmal in die Stadt. Er kam wieder zu dem großen Gebäude, dessen Name man mittlerweile umbenannt hatte. Es hieß nun „Bundesagentur für Arbeit“. Dort saßen in den Fluren auf langen Stuhlreihen wieder viele Menschen. Der Herr sprach sie an und lud sie alle zu sich ein. Er führte sie in ihr neues Zuhause, in seine Gemeinschaftshäuser. Immer wieder ging der Herr hinaus in die Stadt zur „Bundesagentur für Arbeit“ und holte alle, die er dort fand, in seine Häuser. Sogar kurz vor der Lohnauszahlung fand er noch Menschen, die er in seine Häuser holte. Freundlich und liebevoll wurden die Neuankömmlinge von denen willkommen geheißen, die schon länger dort lebten und arbeiteten. Und so kam es, dass anerkannte und gescheiterte, anständige und kriminelle, erfahrene und unerfahrene Menschen, fröhlich mit ihrem Herrn und miteinander lebten.

Doch nach einiger Zeit meinten insgeheim einige derjenigen, die schon länger dabei sind, dass ihre reiche Erfahrung und Arbeitsleistung eine besondere Anerkennung vom Herrn und den anderen Mitbewohnern der Gemeinschaftshäuser verdiene. Dies ließen sie auch alle spüren. Ihr Arbeitspensum stellte die Arbeit der anderen weit in den Schatten. Sie waren ihrem Herrn zwar immer noch dankbar dafür, dass er sie berufen und beauftragt hat. Das sagten sie ihrem Herrn und den anderen Hausbewohnern in ihren Versammlungen auch immer wieder. Aber sie waren sich selbst gegenüber auch sehr dankbar für ihr eigenes Leben und Arbeiten. Sie betrachteten zwar den Augenblick, als der Herr sie in sein Zuhause holte, als großes Geschenk. Aber ihr Leben und Arbeiten in ihrem neuen Zuhause rechneten sie insgeheim ihrem eigenen Leistungsvermögen zu. Sie appellierten nicht nur verstärkt an ihre eigene Leistungsfähigkeit, sondern auch an die der Neuankömmlinge. Besonders die Jüngeren unter den Mitbewohnern sollten verstärkt in ihre Pflichten eingebunden werden. Auch versuchte man die Arbeit in den Häusern besser zu organisieren. Arbeitspläne und Stundenpläne wurden erstellt. Überhaupt wurde viel geplant. Und alle wurden durch verstärkte Appelle zu mehr Mitarbeit angespornt. Doch weil das alles nicht so richtig funktionierte, machte sich eine drückende Atmosphäre in den Gemeinschaftshäusern breit. Die einen wurden in aller „Demut“ hochmütig, und die anderen kleinmütig. Manche wurden auch aufmüpfig.

Der Herr aber liebte alle seine Menschen so sehr, dass er ihnen ganz neu zeigen wollte, wie das Leben bei ihm und in seinen Häusern aussieht. Darum fasste er einen für ihn typischen Plan. Kurz bevor es an die Auszahlung des Lohnes ging, gab er seinem Finanzbeauftragten die Anweisung, zuerst denen den Lohn auszuzahlen, die zuletzt dazugekommen sind. So geschah es: Zuerst die Letzten, und die Ersten zuletzt. Als aber die Ersten zuletzt an die Reihe kamen und ihren Lohn empfingen, meinten sie, dass sie mehr bekommen würde als die Letzten. Denn schließlich sind sie doch viel länger mit ihrer Arbeitskraft in den Gemeinschaftshäusern dabei als diese anderen. Alle aber bekamen denselben Betrag. Darüber waren die Ersten sehr verärgert.

Der Herr aber hatte die Ersten genauso lieb wie die Letzten. Und weil er wollte, dass diejenigen, die schon lange in seinen Gemeinschaftshäusern leben und arbeiten, wieder so dankbar und froh werden wie am Anfang, darum sagte er zu einem von ihnen: „Mein Freund, warum freust du dich nicht mehr über meine Güte? Sieh, in meinen Gemeinschaftshäusern leben alle von meiner Güte und Menschenfreundlichkeit. Die Letzten, das sind die, die meine Güte nicht mit ihrer Leistung verrechnen können. Die Letzten, das sind die, die am Ende niemals sagen können: Wir haben hier alles aufgebaut und aufrecht erhalten. Aber die Letzten können sagen: Danke, dass wir bei dir Zuhause sind und für dich und deine Menschen auch ein bisschen tun dürfen!“

Und weil der Herr diesen Ersten so sehr lieb hatte, sagte er zu ihm: „Bitte, werde wieder zu einem Menschen, der von meiner Güte und Gnade lebt! Werde doch zu einem solchen Letzten! Und dann geh, lebe mit den Menschen und erzähle allen von mir! Denn bei mir werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.“

2. Fragen zum Nachdenken:

Wie erleben Sie selbst Ihr eigenes Verhalten und das Verhalten der Menschen in Ihrer Gemeinschaft?

Stellen Sie sich vor, was geschieht, wenn in einer Gemeinschaft „Erste“ zu „Letzten“ werden?

Angenommen, Sie fühlen sich in Ihrer Gemeinschaft nicht so sehr Zuhause. Was könnte sich bei Ihnen verändern, damit Sie die Gemeinschaft ein bisschen mehr als Ihr Zuhause erleben?

Was ist nach Ihrer Meinung jungen Menschen wichtig, damit sie sich in Ihrer Gemeinschaft Zuhause fühlen?

Welche guten Ansätze in Ihrer Gemeinschaft sind noch ausbaufähig, damit junge Leute ganz selbstverständlich dazugehören?

3. Ein wohltuendes Zuhause für alt und jung – Zehn Aspekte zum Weiterdenken

(1) Angesteckt von der Freude

Unser Zuhause in der Gemeinschaft ist ein Geschenk von Jesus Christus. Das ist Grund zur Freude. Und diese Freude prägt unser Zusammensein. Wer angesteckt ist von dieser Freude, der ist auf diese Weise ganz selbstverständlich ein guter Zeuge von Jesus Christus. Wo Christen aber nicht mehr so sehr von der Freude der Gnade Gottes geleitet werden, werden sie moralisierend. Sie werden in guter Absicht dann eher zu „Hilfspolizisten“ für Recht und Ordnung, sind aber deshalb keine so guten Zeugen von Jesus Christus. Solche Christen verbreiten auf diese Weise eher „einen säuerlichen Geruch abgestandener Bravheit um sich herum“ (R. Bohren).

Hinweis: Machen Sie sich klar, dass nicht Sie zuerst und zuletzt die Verantwortung für alle anderen in der Gemeinschaft tragen. Auch für die jungen Leute nicht. Jesus tut das. Wer das weiß und anerkennt, der kann gelassen und fröhlich sein, weil er „die Last der Weltverantwortung“ nicht trägt. Erinnern Sie sich an das, was Jesus Ihnen geschenkt hat. Geben Sie Ihrer Freude darüber Ausdruck. Lassen Sie sich von der Freude in Ihrem Denken und Fühlen bestimmen und warten Sie getrost auf Gottes Handeln!

(2) Der Dank bewirkt viel

Der Dank ist fester Bestandteil der Gemeinschaften. Allerdings besteht die Gefahr, dass sich unser Dank heimlich von seinem Grund, nämlich von der Gnade Gottes loslöst, sozusagen verselbstständigt. Dann wird er nämlich als formale Pflicht verstanden. Oder wir arbeiten „unter der Hand“ daran, bei unseren Danksagungen unser Geschenk von Gott durch unser „Gegengeschenk des Dankes“ nachträglich ein bisschen selbst zu bezahlen. Oder aber unser Dank geschieht so übertrieben „höflich“, dass es dabei mehr um die eigene Selbstdarstellung vor Gott und den Menschen geht. Das wäre ein verfälschter Dank.

Hinweis: Prüfen Sie sich selbst und bedenken Sie: Gott steht bedingungslos zu Ihnen! Wenn seine Zuneigung bei Ihnen wirklich „angekommen“ ist, dann besteht der echte Dank Gott gegenüber darin, dass Sie ihm und den Menschen Ihre Freude zeigen. Solcher Dank wirkt für andere ansteckend.

(3) Der Humor gehört nicht in den Keller

Der Humor ist „ein Zwillingsbruder der Liebe“. Er bestimmt unsere Gemeinschaften als unser Zuhause positiv mit. Er hat etwas „Erlösendes“, weil er schwierige und peinliche Situationen „entkrampfen“ kann. In einer Gemeinschaft, wo die Glaubensheiterkeit von Gott erbeten und gefördert wird, entsteht eine Atmosphäre, in der junge und alte Leute zum Mitarbeiten inspiriert werden. Denn so empfinden wir kleinere und größere Pannen eher als nicht so „schlimm“, sondern sogar als ermutigend.

Hinweis: Der Humor als eine Weise der Glaubensheiterkeit ist ein guter Mitarbeiter „an unserer Freude“. Wenn Sie auch eher zu den Menschen gehören, die „zum Lachen in den Keller gehen“, dann verschaffen Sie sich einmal eine gewisse Distanz zu sich selbst. Betrachten Sie sich „von außen“. Versuchen Sie sich so zu sehen, wie Gott Sie sieht, nämlich als sein geliebtes Kind. Lernen Sie, sich selbst nicht so schrecklich Ernst zu nehmen. Gottes Kinder haben wirklich allen Grund zum Lachen – auch über sich selbst.

(4) Unsere Gemeinschaft als Zuhause für Glückliche und Frischverliebte

In der Regel haben junge Menschen – falls sie nicht unter größerem Druck stehen – einen unbeschwerteren Lebensstil als ältere. Sie sind eher lebenszugewandt und tatkräftig. Als solche brauchen sie eine Gemeinde, die die Glücklichen, Gesunden und Frischverliebten nicht ausschließt, sondern gerade mit einschließt. In den Gebeten – und Predigten? – unserer Gemeinschaften scheint diese Personengruppe nicht so sehr vorzukommen. Wenn es so ist, wäre dies ein geistlich sehr schlechtes Signal. Denn nicht nur die „Problembeladenen“, sondern auch die „Glücklichen“ sind eingeladen, aus der Kraft Gottes zu leben.

Hinweis: Fangen Sie an, bewusst auch für diese Menschen zu beten, die gerade „gut drauf“ sind! Tun Sie dies in Ihren persönlichen Gebeten. Aber tun Sie das auch in öffentlichen Gebeten und Gebetsgemeinschaften! Andere werden es Ihnen vielleicht gleichtun. Und vertrauen Sie darauf, dass gerade auch die „Unbeschwerten“ und „Glücklichen“ die Gemeinschaft ein bisschen mehr als ihr Zuhause erleben! Dies tut auch in der Rückwirkung den „Beladenen“ unter uns gut.

(5) Manche Schwestern und Brüder sind anders

Die Menschen in unseren Gemeinschaften sind unterschiedlich. Manche sind vielleicht „ein bisschen anders“ als andere. Sie sind keine „Stimmungskanonen“, vielleicht auch im Grunde etwas einsam. Haben Sie von einem oder mehreren Gemeinschaftsleuten den Eindruck gewonnen, dass sie „schwierig“ sind? Wollen Sie eine Beziehung zu diesen Menschen?

Hinweis: Dann stellen Sie sich vor, Sie müssten über diese Personen eine Laudatio (Lobeshymne) vorbereiten. Nehmen Sie sich einmal Zeit, alle positiven Eigenschaften, Leistungen und Verdienste dieser Leute aufzuschreiben.

Ist Ihnen bei bestimmten Personen nicht recht etwas eingefallen? Dann ist Ihnen wahrscheinlich manches an ihnen bisher noch nicht aufgefallen. Begeben Sie sich in der nächsten Zeit auf Entdeckungsreise, und bitten Sie Gott um geöffnete Augen!

Hinweis: Haben Sie Ihre Liste voll? Dann überprüfen Sie, welche Punkte Sie dem Betreffenden schon einmal gesagt (oder zu spüren gegeben) haben! Nur wenige? Gar keine? Vielleicht wird Ihnen dazu schon eine Gelegenheit geschenkt.

Aber verbinden Sie nicht mit der Anerkennung eine Kritik, nach dem Muster: „Ihr Beitrag in unserer Gemeinschaftsstunde war sehr schön. Aber Sie sollten sich überlegen, ob Sie nicht ein bisschen mehr in unserer Gemeinschaft tun könnten!“

(6) „Unsere Gemeinschaft muss größer werden“

Es gibt Gemeinschaften, die so gern möchten, dass sich ihr Kreis (auch durch junge Menschen) vergrößert. Ein guter Wunsch! Aber wie machen wir das? Entscheidend ist nicht zuerst, „wie man das macht“, sondern was wir selbst in der Gemeinschaft erleben und dementsprechend auch die Menschen, die neu zu uns kommen. Warum sollte Gott einen Kreis wachsen lassen, in dem nicht klar ist, was die Menschen dort im Wesentlichen erleben werden?

Hinweis: Bedenken wir: Es kommt nicht zuerst darauf an, wie viele (junge) Leute wir in unsere Gemeinschaft bekommen, sondern was die Leute in unserer Gemeinschaft bekommen und wie sie infolgedessen aus unserer Gemeinschaft wieder hinauskommen. Wenn sie in Ihrer Gemeinschaft Gottes Güte erlebt haben und dementsprechend gespürt haben, dass sie willkommen sind, ist bereits das Entscheidende geschehen. Dann dürfen Sie Gott vertrauen, denn den Samen haben Sie schon ausgestreut!

(7) „Smalltalk“ in der Gemeinschaft!

Die Beziehung zu Menschen – gerade auch zu jungen Menschen – in unseren Gemeinschaften geschieht nicht zuallererst in „tiefen geistlichen“ Gesprächen. Wir denken: Gespräche mit „Tiefgang“ sind das „Eigentliche“, darum seien sie auch bessere Gespräche als bloß nur oberflächliche. Deshalb neigen wir leicht dazu, oberflächliche Gespräche abzuwerten. Und die Chancen, die darin liegen, nehmen wir nicht genügend wahr. So entsteht ein Unverhältnis zwischen dem „Eigentlichen“ und der „Oberfläche“, dem „Äußerlichen“. Es ist wie mit unseren Gemeinschaftshäusern. Durch schlampig eingerichtete Gemeinschaftshäuser schließen Besucher durch diese „Äußerlichkeit“ auf die Menschen, die darin Zuhause sind. Wohlgemerkt: umgekehrt ist es auch so.

Hinweis: Halten Sie das „Äußerliche“ auch für wichtig. Nehmen Sie die Menschen auch in ihrer „Oberfläche“ ernst! Werten Sie „Smalltalk“ nicht als ungeeignetes Geplänkel ab. Lernen Sie es, auch über das Wetter, den Urlaub oder über bestimmte Hobbys gern zu sprechen! Je nach Interessengebiet. Wenn Sie das getan haben, ist bereits viel geschehen. Denn Sie sind eine Beziehung eingegangen. Auch wenn sie „nur“ oberflächlich ist. Aus solchen Gesprächen hat Gott schon das Unglaublichste „mit Tiefgang“ gemacht.

(8) Unsere Gemeinschaft als „vorwurfsfreie Zone“

Wenn die Integration der jungen Menschen in die Gemeinschaft nicht so funktioniert, ist die Grundhaltung älterer Menschen gegenüber den jungen Menschen schnell vorwurfsvoll. Sie engagieren sich nach ihrer Meinung zu wenig, kommen zu selten in die Veranstaltungen, helfen zu wenig. In Gesprächen werden vielleicht manche Dinge beklagt, nach dem Motto: „Wir brauchen euch! Wir sterben ohne euch aus!“ Das Problem dabei: Die jungen Menschen werden durch die Vorwürfe bedrückt. Und je mehr von ihnen gefordert wird, desto mehr ziehen sie sich zurück. Das Miteinander wird auf ein Minimum beschränkt.

Hinweis: Begegnen Sie jungen Menschen aufgeschlossen und freundlich. Und machen Sie ihnen keine Vorwürfe! Vorwürfe vergiften schnell das Miteinander. Übernehmen Sie ganz bewusst die Rolle des Älteren, der ganz großzügig und gelassen den Jüngeren begegnet (auch wenn Sie alles anders machen würden!). Geben Sie ihnen das Gefühl: „Du darfst so sein, wie du bist! Und so mag ich dich!“ Das wirkt anziehend auf Jüngere, die sich dann nicht mehr vor jeder Begegnung gegen Vorwürfe wappnen müssen. So entsteht eine Atmosphäre, in der Menschen füreinander „interessant“ werden.

(9) Alte und Junge in der Gemeinschaft – „Erfahrung und Experimente“

Ältere Menschen in der Gemeinschaft haben einen großen Erfahrungsschatz. Sie haben infolgedessen gelernt, wie die Gestaltung ihrer Gemeinschaftsarbeit „am besten“ funktioniert. Gemessen daran sind junge Menschen relativ unerfahren. Deshalb sind sie meistens unbefangener und experimentierfreudiger als ältere Menschen. Beides ist ein Segen für jung und alt in unseren Gemeinschaften. Problematisch wird es aber, wenn wir als Ältere durch die gutgemeinte Weitergabe unserer Erfahrungen meinen, dass andere unsere Erfahrungen selbstverständlich übernehmen müssen. Dies wirkt eher einengend und hemmend, bewirkt wenig Lust auf das Miteinander. Die Folgen sind: offene oder heimliche Konflikte mit gegenseitigen Vorwürfen. Um einigermaßen „im Frieden“ zu leben, geht man sich dann lieber gegenseitig aus dem Weg.

Hinweis: Freuen Sie sich über den Mix von „Erfahrung“ und „Experimentierfreudigkeit“ in Ihrer Gemeinschaft. Fördern Sie als Älterer besonders die „Dynamik“ junger Menschen. Denn dies ist eine Gabe Gottes, die meistens älteren Menschen nicht mehr so gegeben ist. Sorgen Sie sich nicht so sehr darum, dass „die Jungen“ etwas „falsch“ machen könnten. Denn das dürfen sie sogar, wie wir Älteren übrigens auch. Geben Sie jungen Menschen viel Freiraum zur Entfaltung. Und dann: Freuen Sie sich darüber, was Gott alles daraus macht!

Hinweis: Unsere Erfahrung ist ein wertvoller Schatz in unserem Leben. Sie bringt Lebensweisheit, sie kann uns vor der einen oder anderen Dummheit bewahren. Allerdings kann die Erfahrung uns auch sehr zu schaffen machen, uns belasten und runterziehen. Mancher ältere oder alte Mensch kann sehr leicht zu einem Gefangenen seiner viel zu tiefen, leidvollen Erfahrungen werden. Also: Vorsicht vor der menschlichen Erfahrung! Lassen Sie sich allein von Gottes Liebe, seiner Zuneigung zu Ihnen, leiten! Diese „Erfahrung“ brauchen auch die jungen Leute. Behalten Sie sie nicht für sich!

(10) Die Kraft des Gebets – Gott will nicht ohne unser Beten handeln

Wenn wir uns und unserer Jugend in der Gemeinschaft ein Zuhause geben und es gestalten, dann müssen und dürfen wir das nicht allein tun. Wenn der HERR uns nicht unser Zuhause einrichtet, dann wäre unsere ganze Gemeinschaftsarbeit vergeblich (siehe dazu Ps. 127, 1). Gott sei Dank! Er macht es! Und wir dürfen mitmachen! Wir sind von ihm eingeladen, uns auch in dieser Sache vertrauensvoll im Gebet an ihn zu wenden. Nun könnten wir aber meinen, dass erst unser Gebet Gott zum Tun bewegt. Wo sich in einer Gemeinschaft solch eine Gebetseinstellung einstellt, setzen wir uns unter einen unsagbaren Druck. Die Folge kann sein, dass wir dann denken: „Wenn wir doch nur in dieser oder jener Sache mehr gebetet hätten, dann hätte Gott uns mehr gesegnet!“ Oder: „Wenn wir viel mehr im Gebet zusammenstehen würden, dann würde Gott uns viel mehr beschenken!“ Eine solche Gebetseinstellung hat keine biblische Grundlage und kann uns seelisch schwer zusetzen. Nicht wir bewegen Gott durch unser Beten, sondern er bewegt uns.

Hinweis: Beten Sie um ein gutes Zuhause – besonders auch für Jugendliche – in Ihrer Gemeinschaft! Aber beten Sie in dem Wissen, dass Sie es mit Gott, dem Allmächtigen, zu tun haben. Der allmächtige Gott ist der allwirksame Gott. Er hat alle Fäden des Weltgeschehens in seiner Hand, und damit auch das Geschehen in Ihrer Gemeinschaft. Wenn wir also beten, sind wir nicht seine „Informanten“ (siehe z.B. Apg. 9,13.14). Denn unser „Hüter schläft und schlummert nicht!“ (siehe Ps. 121,4). Wir müssen deshalb keine Sorge haben, dass ihm etwas entgleitet oder dass er etwas nicht mitbekommt. Sein Wille geschieht. In diesem Wissen dürfen Sie beten!

Hinweis: Wenn Sie um ein gutes Zuhause in Ihrer Gemeinschaft beten, dann dürfen Sie unseren allwirksamen Gott als „unseren Vater im Himmel“ anrufen! Es ist wie in einer glücklichen Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Vor allem kleine Kinder sagen ihren Eltern ganz selbstverständlich, was sie wünschen. Und die Eltern freuen sich darüber, wenn die Kinder mit ihnen sprechen. Manchmal haben die Eltern schon längst in weiser Voraussicht die Wünsche ihrer Kinder „geregelt“. Gelegentlich auch ganz anders als es sich die Kinder gedacht haben. Und so tut es auch unser Vater im Himmel mit seinen Kindern. Denn er kümmert sich um uns und unsere Anliegen, noch bevor wir ihn gebeten haben (siehe Mt. 6,7.8). Als unser liebender Vater hat er ein Verlangen danach uns zu hören. Er will von uns gebeten sein. Wenn Sie also beten, dürfen Sie als sein Kind, geborgen und behütet, mit ihm sprechen! Das tut Ihnen und Ihrem Zuhause in der Gemeinschaft gut!

Hinweis: Unser Vater im Himmel überträgt seinen Kindern aus Liebe ein gewisses Maß Verantwortung. Obwohl er uns und unsere Gebete nicht nötig hätte, will er ohne uns und unsere Gebete nicht handeln. So wie „gute Eltern“ ihren Kindern Verantwortung übertragen, damit sie wachsen und reifen, so überträgt uns unser Vater im Himmel Verantwortung für uns und die Menschen um uns herum. Doch in aller Verantwortung, die er uns überträgt, trägt er zuerst und zuletzt als unser Vater die ganze Verantwortung! Oft ist auf Hinweisschildern zu lesen: „Eltern haften für ihre Kinder!“ Für Gottes Kinder gilt: „Unser Vater im Himmel haftet für seine Kinder!“ Dies hat er uns durch seinen Sohn Jesus Christus fest zugesagt. Darum dürfen Sie ganz zuversichtlich Ihre von unserem Vater übertragene Verantwortung wahrnehmen. Beten Sie regelmäßig für ein gutes Zuhause von Jung und Alt in Ihrer Gemeinschaft! Gott will nicht ohne Sie, er will mit Ihnen handeln!

Roland Tober

Einstieg

Stellen Sie sich vor, Sie würden in Ihrer Wohnung ein ganz besonderes Experiment wagen und eine Wohngemeinschaft gründen, in der 20-jährige und 60-jährige in einer Wohnung zusammenziehen. Klar, 20-jährige haben noch kein eigenes Haus, also wäre es an Ihnen, die Jugendlichen aufzunehmen.

Nun ist der Tag des Einzugs da und die Jugendlichen erobern ihre Zimmer. Alte und bewährte Wohnungseinrichtungen werden entsorgt und durch flippige Designermöbel ersetzt. Poster an den Wänden und mannshohe Lautsprecherboxen vollenden das Werk der vollkommenen Umgestaltung und vertreiben sämtliche Erinnerungen, dass dies einmal ein Zimmer war, in dem Sie sich wohl gefühlt haben.

Auch die Koordinierung des Tagesablaufs bringt einiges an Diskussionsstoff:

„Gemeinsames Abendessen? Können wir nicht was „einwerfen“, wenn wir Hunger haben?

Sonntags morgens um 8.00h frühstücken und dann in die Kirche? Wie soll das denn gehen, wenn wir bis um 4.00h morgens in der Disco sind. Und über die spießige Wohnzimmereinrichtung müssen wir auch noch mal reden. Schließlich teilen wir uns ja das Wohnzimmer miteinander.“

Vielleicht würden Sie sich schnell fragen: Alt und Jung: Passt das überhaupt zusammen? Welchen Sinn macht es, verschiedene Generationen unter einem Dach zu vereinen? Lohnt sich die Mühe, so viel Unterschiedlichkeit zusammen zu bringen?

Jung und Alt: Bringt´s das wirklich?

Auch in der Gemeinschaftsarbeit muss erst einmal ganz realistisch gefragt werden: Macht es wirklich Sinn, Jung und Alt zusammen zu bringen? Warum sollten sich Jugendliche auf den Stil der Älteren einlassen, wenn er ihnen gar nicht entspricht. Und warum sollten sich Gemeinschaftsmitglieder um Jugendliche bemühen, wenn sie doch nur auf Interesselosigkeit, Kritik oder Verständnislosigkeit stoßen, wenn es um Gemeinschaftsveranstaltungen geht.

Schnell wird deutlich, dass Schritte zueinander nur möglich sind, wenn auf beiden Seiten diese Frage geklärt ist. Nur wenn beide, Jugendliche als auch die treuen Gemeinschaftsmitglieder, die Chancen der Gemeinsamkeit vor Augen haben, ist der Nährboden für ein fruchtbares Zusammensein gegeben.

Jung und Alt zusammen, das kann für die Älteren heißen:

  • Jugendliche, die neue Impulse in die Gemeinschaftsarbeit geben.
  • Jugendliche, die eine neue Lebendigkeit einbringen.
  • Jugendliche, die einen Finger auf Dinge legen, die eh schon lange im Argen liegen.
  • Jugendliche, die helfen, im Denken und Reden beweglich und offen zu bleiben.

Jung und Alt zusammen, das kann für die Jugendlichen heißen:

  • Ältere, von deren Lebenserfahrungen man profitieren kann.
  • Ältere, die schon einen längeren Glaubensweg gegangen sind und dadurch einiges zu erzählen haben, aus dem man lernen kann
  • Ältere, von denen man sich im Gebet getragen weiß. 

Diese Chancen im Blick zu haben und zu begreifen, dass Jung und Alt voneinander profitieren, sind erste Schritte zu einem echten Miteinander. Diese Vision hilft dann auch die Hindernisse zu überbrücken, um eine echte „Gemeinschafts-WG“ zu werden.

Jung und Alt: Da versteh ich deren Welt nicht mehr!

Er ist schon so alt wie die Menschheit selbst: Der Generationenkonflikt. Da prallen Lebenswelten aufeinander und der eine versteht den anderen nicht. Kein Wunder: Die ältere Generation hat im Laufe ihres Lebens Erfahrungen gemacht, die zu einer festen Lebensauffassung geworden sind. Durch ihren Erfahrungsschatz sind in ihnen Werte und

Einstellungen geformt, die sich für sie im Alltag bewährt haben.

Jugendliche hingegen sind erst noch auf der Suche nach Identität und ihrem eigenen Weg.

So stoßen zwei Dinge aufeinander: Die Lust nach Wagnis, Veränderung und Wandel und das ebenso berechtigte Anliegen nach festen Werten und Formen, die Sicherheit geben. Was für die Älteren als bewährt gilt ist für Jugendliche bloße Unbeweglichkeit.

Gleichzeitig bietet die unterschiedliche Prägung, die die ältere und die jüngere Generation erlebt haben einiges an Konfliktpotential. Das Wertesystem, in dem Kinder und Jugendliche heute aufwachsen unterscheidet sich grundlegend von dem, was die ältere Generation zu seiner Jugendzeit erlebt hat. Während früher klare Leitlinien von außen das Leben bestimmten, bestimmen heute Toleranz und Individualismus die Gesellschaft. Eine echte Wertevermittlung scheint nur noch an sehr wenigen Stellen stattzufinden.

Zu den prägenden Verhältnissen, in denen Jugendliche aufwachsen sind außerdem:

  • Die hohe Mobilität Jugendlicher. Mit 16 das Moped, mit 18 den Führerschein. Ortsverbundenheit ist passé, man ist da, wo etwas los ist. Jugendliche nutzen die Vielfalt der Angebote, auch in der christlichen Szene. Hier ein Jugendgottesdienst, dort ein christliches Konzert. Viele Jugendliche sind es nicht mehr gewöhnt, länger an einer Sache zu verweilen und dran zu bleiben oder gar Durststrecken in der Jugend- und Gemeindearbeit auszuhalten. Gerade wenn attraktiveres im Nachbarort lockt.
  • Immer mehr Jugendlichen steht relativ viel Geld zur Verfügung. Das prägt das Freizeitverhalten.
  • Die junge Generation wächst von Anfang an mit Computer, Kommunikations- und Unterhaltungselektronik auf. Oft kennen sich Sechsjährige besser mit dem PC aus als 60zig-jährige. 90% der Teenager besitzen ein Handy. Früher erklärten Erwachsene den Jugendlichen technische Geräte, heute ist es anders herum.
  • Jugendliche leben in einer bestimmten Kultur. Mode, Musik und Unterhaltungselektronik prägen den Livestil. 

Für die ältere Generation ist es oft schwer diesen Lebensstil Jugendlicher nachzuvollziehen und ihn so anzunehmen. Im Blick auf ihre eigene Prägung haben sie kritische Anfragen an die Art, wie Jugendliche mit ihrer Freizeit, ihrem Geld und ihrer Zeit umzugehen.

Auch im konkreten Gemeindeleben reibt sich die Kultur der Jugendlichen mit dem Stil der Älteren, den sie sich im Laufe der Jahre aufgebaut und für gut empfunden haben.

Englische Lieder mit Bandbegleitung steht neben Paul Gerhard-Liedern mit Orgelmusik. Peercings, gefärbte Haare und Flickenjeans beim Abendmahl lösen bei der älteren Generation mehr als Befremdung aus. LAN-Party im Gemeindehaus? Was passiert denn da?

Entscheidend ist nun, ob die junge und alte Generation den festen Willen haben, einander zu verstehen oder ob sie sich beim Zusammenstoß der Unterschiedlichkeiten mit rümpfender Nase voneinander abwenden.

Jung und Alt: Und wer geht auf wen zu?

Die Unterschiedlichkeit ist nun deutlich geworden. Die Frage ist jetzt nur: Wie kann Trennendes überwunden werden und wer geht da auf wen zu?

Eine Hilfe finden wir im alten Testament im Buch Maleachi: Dort lesen wir: “Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe der große und schreckliche Tag des Herrn kommt. Der soll das Herz der Väter bekehren zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern, dass ich nicht komme und das Erdreich mit dem Bann schlage” ( Mal 3, 23+24).

Veränderung des Herzens, das ist wohl der Schlüssel für eine echte Einheit der Generationen.

·    Wenn unterschiedliche Generationen anfangen sich gegenseitig wert zu schätzen und zu lieben,

·    wenn sich Verständnislosigkeit in die Bereitschaft verwandelt, den anderen verstehen zu wollen,

·    wenn festgefahrenen Positionen aufweichen und jeder sich bemüht, sich in die Position des anderen wirklich reinzudenken,

·    wenn aus Hochmut (ich weiß es eh besser) echte Lernbereitschaft wird,

dann geschieht das was in Maleachi gemeint ist: Ältere „bekehren“ sich zu den Jüngeren und die Jüngeren „bekehren“ sich zu den Älteren. Dann ist eine Einheit möglich, wie wir sie auch in 2. Korinther 12 (Viele Glieder ein Leib) finden.

Ob es wohl Zufall ist, dass in Maleachi die ältere Generation als erstes aufgezählt wird?

Vielleicht ist es gerade wichtig, dass diejenigen, die schon lange dabei sind und dadurch sozusagen das Hausrecht haben, auf die Jüngeren zugehen. Schließlich haben die, die vieles mit aufgebaut oder begleitet haben, oft auch mehr Macht und Autorität. Da ist es doch besser, wenn der „Stärkere“ auf den „Schwächeren“ als erstes zugeht.

Vielleicht ist die ältere Generation auch gerade deshalb aufgefordert, weil sie in ihrer Lebensreife schon ein Stück weiter ist und dadurch befreiter und mit mehr Weisheit Brücken bauen kann.
Jedoch darf der Vorsprung an Lebensweisheit im Gespräch mit Jugendlichen nicht durch Besserwisserei eine falsche Richtung bekommen. Weise mit Jugendlichen umgehen heißt, sich klar zu machen, dass sie selber ihre eigenen Erfahrungen machen wollen und auch müssen und dazu ihre Freiheiten brauchen. Dazu gehört von Seiten der älteren Generation sicher auch das Einüben von Bescheidenheit. Gute Ratschläge geben, - zu meinen, man müsse die Jugend vor etwas bewahren oder ihnen den rechten Weg weisen, sind Dinge, die oft das Gegenteil bewirken. Wenn Jugendliche auf der Suche nach Identität sind, hilft es ihnen auf ihrem Weg dahin viel mehr, wenn Ältere erst einmal von sich erzählen, wenn sie andererseits aber auch echtes Interesse an der Lebenswelt der Jugend haben und versuchen sie zu verstehen. Und erfahrungsgemäß ist dann auch der Weg geebnet, dass Jugendliche mit ihren Fragen auf Ältere zugehen. 

Jung und Alt: Praktische Anregungen

Möglichkeiten, eine Gemeinde- oder Gemeinschaftsarbeit generationenübergreifend zu gestalten gibt es viele. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Hier nur einige Ideen, die zu weiteren Ideen Impulsgeber seinen können. Aber ich bin sicher, Ihnen fällt da noch viel mehr ein!

  • Das Thema Jung und Alt in den einzelnen Gruppen zum Thema machen und gemeinsam Aktionen zur Begegnung überlegen.
  • Gebetspatenschaften: Jugendlich beten für Ältere, Ältere beten für Jugendliche. So kommen die Generationen automatisch ins Gespräch, was ihren Alltag momentan ausmacht.
  • Ältere werden als Special Guest in den Jugendkreis eingeladen und erzählen aus ihrem Leben. Das geht natürlich auch anders herum.
  • Grillfeste
  • Houseparty: Jung und Alt trifft sich zu einer kleinen „Party“ im Jugendzimmer eines Teenagers.

Am wichtigsten ist natürlich, dass einzelne aufeinander zugehen und das Gespräch miteinander suchen. Kein Projekt und keine Aktion kann dies ersetzen.

Thomas Clever

Dieser Text wurde von Roland Tober und Thomas Clever erstellt für den Kongress „Perspektiven 2004“ des Westfälischen Gemeinschaftsverbandes.