

|


Roland Tober
Prediger in Bad Oeyenhausen Thomas Clever
EC-Jugendregerent in Rheinland-Westfalen

Als PDF ansehen oder downloaden.
„Wir geben unserer Jugend
ein Zuhause“
Unsere Gemeinschaft als wohltuendes Zuhause für Jung und Alt
– Geistliche Impulse für ältere Menschen
Einführende Gedanken
„Wir
geben unserer Jugend ein Zuhause“. Das ist ein gutes Thema. Allein schon
deshalb, weil hier ein Wunsch – besser noch – ein Herzenswunsch vieler
Gemeinschaften und Gemeinden ausgedrückt wird. Wer wollte das nicht –
lebendige Jugendarbeit in unseren Landeskirchlichen Gemeinschaften! Aber
wie gelingt das? Wie schaffen wir es, dass junge und ältere Menschen
ganz selbstverständlich in unseren Gemeinschaften dazugehören und
mitarbeiten?
Ich bin fest davon überzeugt, dass es nicht Programme und Aktionen in
erster Linie sind, die diesen Wunsch realisieren. Der Ansatz zu einer
integrierten Jugendarbeit unserer Gemeinschaften liegt anderswo, nämlich
ganz grundsätzlich außerhalb unserer selbstständigen Aktionen, außerhalb
aller möglichen und unmöglichen „Machbarkeitsvorstellungen“ von
Vorständen und Verantwortlichen der Gemeinschaft. Jugendarbeit innerhalb
einer Gemeinschaft ist eben nicht einfach am „Reißbrett“ zu planen. Im
Übrigen ist eine Gemeinschaft nicht gut beraten, wenn Strategien,
Programme und Aktionen primär das Denken und Handeln bestimmen. Auch ist
es nicht einfach nur damit getan, einen Jugendkreis gelegentlich im
Gottesdienst singen zu lassen, bestenfalls einmal ein etwas anderes
Programm von Jugendlichen gestalten zu lassen. Sicher, das ist besser
als gar nichts.
Entscheidend ist, dass sich junge Leute in der Gemeinschaft zuhause
fühlen. Aber wie machen wir das? Hierbei gilt ganz grundsätzlich: Wenn
wir Älteren uns selbst ein gutes Zuhause geben, oder besser – unser von
Jesus Christus geschenktes Zuhause nach Gottes Willen ausleben und
gestalten, dann sind wir auf einem guten Weg, auch unserer Jugend ein
Zuhause zu geben. Dann werden sich auch junge Leute eher bei uns
wohlfühlen. Nur dies kann der rechte Ansatz für unsere Überlegungen
sein. Sicher, Gott kann auch sein Ziel ohne uns erreichen. Aber aus
Liebe zu uns will er das nicht ohne uns tun.
Die folgende Gleichniserzählung soll uns einen Anstoß geben, miteinander
über unser Zuhause in der Landeskirchlichen Gemeinschaft ins Gespräch zu
kommen. Sie ist eine Anlehnung an Matthäus 19,30-20,16.
Hinweis
zur Gleichniserzählung: Der Marktplatz („agora“,
Mt. 20,3), von dem der Hausherr seine Arbeiter wegholt, war der Ort, wo
viele arbeitslose Menschen ihre Arbeitskraft angeboten haben. Der
Weinberg („ampelohn“) steht für die enge Gemeinschaft Gottes bzw. Jesu
Christi mit seiner Gemeinde. Dementsprechend habe ich die Orte
„Marktplatz“ mit „Bundesagentur für Arbeit“ und „Weinberg“ mit
„Gemeinschaftshäuser“ ersetzt, in denen wir ja enge Gemeinschaft mit
Jesus Christus und untereinander erleben dürfen.
Hinweis
für den Austausch über die Gleichniserzählung:
Bitte richten Sie ihr Augenmerk nicht auf die Problematik der
Arbeitslosigkeit. Dies wäre eine eigene Betrachtung wert. Fassen Sie
besonders das Handeln des „Herrn“ mit seinen Menschen in den
Gemeinschaftshäusern und deren Verhaltensweisen ins Auge!
1. Eine
Gleichniserzählung: „Die Letzten sind die Ersten“
Das Himmelreich gleicht einem Herrn, der sich schon früh aufmachte, um
Menschen reich zu beschenken. So kam er selbst in die Welt, baute hier
und dort Gemeinschaftshäuser, richtete sie freundlich ein, damit alle,
die bei ihm Zuhause sind, sich für alle Zeiten geborgen fühlen.
Selbstverständlich sorgte er auch dafür, dass alle etwas zu tun haben in
diesem neuen Zuhause. Ihm ist es wichtig, dass seine Menschen
miteinander feiern und fröhlich sind. Aber es ist ihm auch wichtig, dass
seine Menschen sich gegenseitig stärken und Mut machen, wenn sie schwach
werden oder traurig sind. Denn schließlich sollten sie sich alle Zuhause
fühlen, die Jungen und die Alten, die Starken und die Schwachen, die
Großen und die Kleinen.
Nachdem er alles für sie liebevoll hergerichtet hat, ging er früh
hinaus, um Menschen für seine Gemeinschaftshäuser zu suchen. Er ging in
die Stadt und sah in einem Gebäude viele, die Arbeit suchten. Über dem
Portal stand in großen Lettern: „Arbeitsamt“. Der Herr sprach die
Menschen an und lud sie alle ein in sein schönes Zuhause. Dort sollten
sie unkündbar mit ihm und miteinander leben und arbeiten. Und obendrein
sicherte er ihnen einen festen Lohn zu. Diese Einladung nahmen sie
dankbar an. Und auch die Lohnvereinbarung machte sie richtig froh.
Die Gemeinschaftshäuser füllten sich mit Leben. Der Herr kümmerte sich
beständig um seine Menschen. Für jeden war er da. Und für jeden war er
immer ansprechbar. Er freute sich darüber, wenn sie mit ihm sprachen.
Alle, die in seinen Häusern lebten, wurden in der Gemeinschaft mit ihm
zu ganz neuen Menschen. Und das von Anfang an. Alle priesen sie diesen
einzigartigen Herrn und waren voller Dankbarkeit und Freude darüber,
dass sie dabei sein – und sogar für diesen Herrn arbeiten durften.
Der Herr liebte die Menschen in seinen Häusern. Aber er liebte auch all
die anderen Menschen, die ihn und seine Gemeinschaftshäuser noch nicht
kannten. Darum ging er nach kurzer Zeit noch einmal in die Stadt. Er kam
wieder zu dem großen Gebäude, dessen Name man mittlerweile umbenannt
hatte. Es hieß nun „Bundesagentur für Arbeit“. Dort saßen in den Fluren
auf langen Stuhlreihen wieder viele Menschen. Der Herr sprach sie an und
lud sie alle zu sich ein. Er führte sie in ihr neues Zuhause, in seine
Gemeinschaftshäuser. Immer wieder ging der Herr hinaus in die Stadt zur
„Bundesagentur für Arbeit“ und holte alle, die er dort fand, in seine
Häuser. Sogar kurz vor der Lohnauszahlung fand er noch Menschen, die er
in seine Häuser holte. Freundlich und liebevoll wurden die
Neuankömmlinge von denen willkommen geheißen, die schon länger dort
lebten und arbeiteten. Und so kam es, dass anerkannte und gescheiterte,
anständige und kriminelle, erfahrene und unerfahrene Menschen, fröhlich
mit ihrem Herrn und miteinander lebten.
Doch nach einiger Zeit meinten insgeheim einige derjenigen, die schon
länger dabei sind, dass ihre reiche Erfahrung und Arbeitsleistung eine
besondere Anerkennung vom Herrn und den anderen Mitbewohnern der
Gemeinschaftshäuser verdiene. Dies ließen sie auch alle spüren. Ihr
Arbeitspensum stellte die Arbeit der anderen weit in den Schatten. Sie
waren ihrem Herrn zwar immer noch dankbar dafür, dass er sie berufen und
beauftragt hat. Das sagten sie ihrem Herrn und den anderen Hausbewohnern
in ihren Versammlungen auch immer wieder. Aber sie waren sich selbst
gegenüber auch sehr dankbar für ihr eigenes Leben und Arbeiten. Sie
betrachteten zwar den Augenblick, als der Herr sie in sein Zuhause
holte, als großes Geschenk. Aber ihr Leben und Arbeiten in ihrem neuen
Zuhause rechneten sie insgeheim ihrem eigenen Leistungsvermögen zu. Sie
appellierten nicht nur verstärkt an ihre eigene Leistungsfähigkeit,
sondern auch an die der Neuankömmlinge. Besonders die Jüngeren unter den
Mitbewohnern sollten verstärkt in ihre Pflichten eingebunden werden.
Auch versuchte man die Arbeit in den Häusern besser zu organisieren.
Arbeitspläne und Stundenpläne wurden erstellt. Überhaupt wurde viel
geplant. Und alle wurden durch verstärkte Appelle zu mehr Mitarbeit
angespornt. Doch weil das alles nicht so richtig funktionierte, machte
sich eine drückende Atmosphäre in den Gemeinschaftshäusern breit. Die
einen wurden in aller „Demut“ hochmütig, und die anderen kleinmütig.
Manche wurden auch aufmüpfig.
Der Herr aber liebte alle seine Menschen so sehr, dass er ihnen ganz neu
zeigen wollte, wie das Leben bei ihm und in seinen Häusern aussieht.
Darum fasste er einen für ihn typischen Plan. Kurz bevor es an die
Auszahlung des Lohnes ging, gab er seinem Finanzbeauftragten die
Anweisung, zuerst denen den Lohn auszuzahlen, die zuletzt dazugekommen
sind. So geschah es: Zuerst die Letzten, und die Ersten zuletzt. Als
aber die Ersten zuletzt an die Reihe kamen und ihren Lohn empfingen,
meinten sie, dass sie mehr bekommen würde als die Letzten. Denn
schließlich sind sie doch viel länger mit ihrer Arbeitskraft in den
Gemeinschaftshäusern dabei als diese anderen. Alle aber bekamen
denselben Betrag. Darüber waren die Ersten sehr verärgert.
Der Herr aber hatte die Ersten genauso lieb wie die Letzten. Und weil er
wollte, dass diejenigen, die schon lange in seinen Gemeinschaftshäusern
leben und arbeiten, wieder so dankbar und froh werden wie am Anfang,
darum sagte er zu einem von ihnen: „Mein Freund, warum freust du dich
nicht mehr über meine Güte? Sieh, in meinen Gemeinschaftshäusern leben
alle von meiner Güte und Menschenfreundlichkeit. Die Letzten, das sind
die, die meine Güte nicht mit ihrer Leistung verrechnen können. Die
Letzten, das sind die, die am Ende niemals sagen können: Wir haben hier
alles aufgebaut und aufrecht erhalten. Aber die Letzten können sagen:
Danke, dass wir bei dir Zuhause sind und für dich und deine Menschen
auch ein bisschen tun dürfen!“
Und weil der Herr diesen Ersten so sehr lieb hatte, sagte er zu ihm:
„Bitte, werde wieder zu einem Menschen, der von meiner Güte und Gnade
lebt! Werde doch zu einem solchen Letzten! Und dann geh, lebe mit den
Menschen und erzähle allen von mir! Denn bei mir werden die Letzten die
Ersten und die Ersten die Letzten sein.“
2. Fragen zum Nachdenken:
Wie erleben Sie selbst Ihr eigenes Verhalten und das Verhalten der
Menschen in Ihrer Gemeinschaft?
Stellen Sie sich vor, was geschieht, wenn in einer Gemeinschaft „Erste“
zu „Letzten“ werden?
Angenommen, Sie fühlen sich in Ihrer Gemeinschaft nicht so sehr Zuhause.
Was könnte sich bei Ihnen verändern, damit Sie die Gemeinschaft ein
bisschen mehr als Ihr Zuhause erleben?
Was ist nach Ihrer Meinung jungen Menschen wichtig, damit sie sich in
Ihrer Gemeinschaft Zuhause fühlen?
Welche guten Ansätze in Ihrer Gemeinschaft sind noch ausbaufähig, damit
junge Leute ganz selbstverständlich dazugehören?
3. Ein wohltuendes Zuhause für alt und jung – Zehn Aspekte zum
Weiterdenken
(1) Angesteckt von der Freude
Unser
Zuhause in der Gemeinschaft ist ein Geschenk von Jesus Christus. Das ist
Grund zur Freude. Und diese Freude prägt unser Zusammensein. Wer
angesteckt ist von dieser Freude, der ist auf diese Weise ganz
selbstverständlich ein guter Zeuge von Jesus Christus. Wo Christen aber
nicht mehr so sehr von der Freude der Gnade Gottes geleitet werden,
werden sie moralisierend. Sie werden in guter Absicht dann eher zu
„Hilfspolizisten“ für Recht und Ordnung, sind aber deshalb keine so
guten Zeugen von Jesus Christus. Solche Christen verbreiten auf diese
Weise eher „einen säuerlichen Geruch abgestandener Bravheit um sich
herum“ (R. Bohren).
Hinweis:
Machen Sie sich klar, dass nicht Sie zuerst und zuletzt die
Verantwortung für alle anderen in der Gemeinschaft tragen. Auch für die
jungen Leute nicht. Jesus tut das. Wer das weiß und anerkennt, der kann
gelassen und fröhlich sein, weil er „die Last der Weltverantwortung“
nicht trägt. Erinnern Sie sich an das, was Jesus Ihnen geschenkt hat.
Geben Sie Ihrer Freude darüber Ausdruck. Lassen Sie sich von der Freude
in Ihrem Denken und Fühlen bestimmen und warten Sie getrost auf Gottes
Handeln!
(2) Der Dank bewirkt viel
Der
Dank ist fester Bestandteil der Gemeinschaften. Allerdings besteht die
Gefahr, dass sich unser Dank heimlich von seinem Grund, nämlich von der
Gnade Gottes loslöst, sozusagen verselbstständigt. Dann wird er nämlich
als formale Pflicht verstanden. Oder wir arbeiten „unter der
Hand“ daran, bei unseren Danksagungen unser Geschenk von Gott durch
unser „Gegengeschenk des Dankes“ nachträglich ein bisschen selbst zu
bezahlen. Oder aber unser Dank geschieht so übertrieben „höflich“,
dass es dabei mehr um die eigene Selbstdarstellung vor Gott und
den Menschen geht. Das wäre ein verfälschter Dank.
Hinweis:
Prüfen Sie sich selbst und bedenken Sie: Gott steht bedingungslos zu
Ihnen! Wenn seine Zuneigung bei Ihnen wirklich „angekommen“ ist, dann
besteht der echte Dank Gott gegenüber darin, dass Sie ihm und den
Menschen Ihre Freude zeigen. Solcher Dank wirkt für andere ansteckend.
(3) Der Humor gehört nicht in den Keller
Der
Humor ist „ein Zwillingsbruder der Liebe“. Er bestimmt unsere
Gemeinschaften als unser Zuhause positiv mit. Er hat etwas „Erlösendes“,
weil er schwierige und peinliche Situationen „entkrampfen“ kann. In
einer Gemeinschaft, wo die Glaubensheiterkeit von Gott erbeten und
gefördert wird, entsteht eine Atmosphäre, in der junge und alte Leute
zum Mitarbeiten inspiriert werden. Denn so empfinden wir kleinere und
größere Pannen eher als nicht so „schlimm“, sondern sogar als
ermutigend.
Hinweis:
Der Humor als eine Weise der Glaubensheiterkeit ist ein guter
Mitarbeiter „an unserer Freude“. Wenn Sie auch eher zu den Menschen
gehören, die „zum Lachen in den Keller gehen“, dann verschaffen Sie sich
einmal eine gewisse Distanz zu sich selbst. Betrachten Sie sich „von
außen“. Versuchen Sie sich so zu sehen, wie Gott Sie sieht, nämlich als
sein geliebtes Kind. Lernen Sie, sich selbst nicht so schrecklich Ernst
zu nehmen. Gottes Kinder haben wirklich allen Grund zum Lachen – auch
über sich selbst.
(4) Unsere Gemeinschaft als Zuhause für
Glückliche und Frischverliebte
In
der Regel haben junge Menschen – falls sie nicht unter größerem Druck
stehen – einen unbeschwerteren Lebensstil als ältere. Sie sind eher
lebenszugewandt und tatkräftig. Als solche brauchen sie eine Gemeinde,
die die Glücklichen, Gesunden und Frischverliebten nicht ausschließt,
sondern gerade mit einschließt. In den Gebeten – und Predigten? –
unserer Gemeinschaften scheint diese Personengruppe nicht so sehr
vorzukommen. Wenn es so ist, wäre dies ein geistlich sehr schlechtes
Signal. Denn nicht nur die „Problembeladenen“, sondern auch die
„Glücklichen“ sind eingeladen, aus der Kraft Gottes zu leben.
Hinweis:
Fangen Sie an, bewusst auch für diese Menschen zu beten, die gerade „gut
drauf“ sind! Tun Sie dies in Ihren persönlichen Gebeten. Aber tun Sie
das auch in öffentlichen Gebeten und Gebetsgemeinschaften! Andere werden
es Ihnen vielleicht gleichtun. Und vertrauen Sie darauf, dass gerade
auch die „Unbeschwerten“ und „Glücklichen“ die Gemeinschaft ein bisschen
mehr als ihr Zuhause erleben! Dies tut auch in der Rückwirkung den
„Beladenen“ unter uns gut.
(5) Manche Schwestern und Brüder sind
anders
Die
Menschen in unseren Gemeinschaften sind unterschiedlich. Manche sind
vielleicht „ein bisschen anders“ als andere. Sie sind keine
„Stimmungskanonen“, vielleicht auch im Grunde etwas einsam. Haben Sie
von einem oder mehreren Gemeinschaftsleuten den Eindruck gewonnen, dass
sie „schwierig“ sind? Wollen Sie eine Beziehung zu diesen Menschen?
Hinweis:
Dann stellen Sie sich vor, Sie müssten über diese Personen eine Laudatio
(Lobeshymne) vorbereiten. Nehmen Sie sich einmal Zeit, alle positiven
Eigenschaften, Leistungen und Verdienste dieser Leute aufzuschreiben.
Ist
Ihnen bei bestimmten Personen nicht recht etwas eingefallen? Dann ist
Ihnen wahrscheinlich manches an ihnen bisher noch nicht aufgefallen.
Begeben Sie sich in der nächsten Zeit auf Entdeckungsreise, und bitten
Sie Gott um geöffnete Augen!
Hinweis:
Haben Sie Ihre Liste voll? Dann überprüfen Sie, welche Punkte Sie dem
Betreffenden schon einmal gesagt (oder zu spüren gegeben) haben! Nur
wenige? Gar keine? Vielleicht wird Ihnen dazu schon eine Gelegenheit
geschenkt.
Aber
verbinden Sie nicht mit der Anerkennung eine Kritik, nach dem Muster:
„Ihr Beitrag in unserer Gemeinschaftsstunde war sehr schön. Aber Sie
sollten sich überlegen, ob Sie nicht ein bisschen mehr in unserer
Gemeinschaft tun könnten!“
(6) „Unsere Gemeinschaft muss größer
werden“
Es
gibt Gemeinschaften, die so gern möchten, dass sich ihr Kreis (auch
durch junge Menschen) vergrößert. Ein guter Wunsch! Aber wie machen wir
das? Entscheidend ist nicht zuerst, „wie man das macht“, sondern was wir
selbst in der Gemeinschaft erleben und dementsprechend auch die
Menschen, die neu zu uns kommen. Warum sollte Gott einen Kreis wachsen
lassen, in dem nicht klar ist, was die Menschen dort im Wesentlichen
erleben werden?
Hinweis:
Bedenken wir: Es kommt nicht zuerst darauf an, wie viele (junge) Leute
wir in unsere Gemeinschaft bekommen, sondern was die Leute in unserer
Gemeinschaft bekommen und wie sie infolgedessen aus unserer Gemeinschaft
wieder hinauskommen. Wenn sie in Ihrer Gemeinschaft Gottes Güte erlebt
haben und dementsprechend gespürt haben, dass sie willkommen sind, ist
bereits das Entscheidende geschehen. Dann dürfen Sie Gott vertrauen,
denn den Samen haben Sie schon ausgestreut!
(7) „Smalltalk“ in der Gemeinschaft!
Die
Beziehung zu Menschen – gerade auch zu jungen Menschen – in unseren
Gemeinschaften geschieht nicht zuallererst in „tiefen geistlichen“
Gesprächen. Wir denken: Gespräche mit „Tiefgang“ sind das „Eigentliche“,
darum seien sie auch bessere Gespräche als bloß nur oberflächliche.
Deshalb neigen wir leicht dazu, oberflächliche Gespräche abzuwerten. Und
die Chancen, die darin liegen, nehmen wir nicht genügend wahr. So
entsteht ein Unverhältnis zwischen dem „Eigentlichen“ und der
„Oberfläche“, dem „Äußerlichen“. Es ist wie mit unseren
Gemeinschaftshäusern. Durch schlampig eingerichtete Gemeinschaftshäuser
schließen Besucher durch diese „Äußerlichkeit“ auf die Menschen, die
darin Zuhause sind. Wohlgemerkt: umgekehrt ist es auch so.
Hinweis:
Halten Sie das „Äußerliche“ auch für wichtig. Nehmen Sie die Menschen
auch in ihrer „Oberfläche“ ernst! Werten Sie „Smalltalk“ nicht als
ungeeignetes Geplänkel ab. Lernen Sie es, auch über das Wetter, den
Urlaub oder über bestimmte Hobbys gern zu sprechen! Je nach
Interessengebiet. Wenn Sie das getan haben, ist bereits viel geschehen.
Denn Sie sind eine Beziehung eingegangen. Auch wenn sie „nur“
oberflächlich ist. Aus solchen Gesprächen hat Gott schon das
Unglaublichste „mit Tiefgang“ gemacht.
(8) Unsere Gemeinschaft als
„vorwurfsfreie Zone“
Wenn
die Integration der jungen Menschen in die Gemeinschaft nicht so
funktioniert, ist die Grundhaltung älterer Menschen gegenüber den jungen
Menschen schnell vorwurfsvoll. Sie engagieren sich nach ihrer Meinung zu
wenig, kommen zu selten in die Veranstaltungen, helfen zu wenig. In
Gesprächen werden vielleicht manche Dinge beklagt, nach dem Motto: „Wir
brauchen euch! Wir sterben ohne euch aus!“ Das Problem dabei: Die jungen
Menschen werden durch die Vorwürfe bedrückt. Und je mehr von ihnen
gefordert wird, desto mehr ziehen sie sich zurück. Das Miteinander wird
auf ein Minimum beschränkt.
Hinweis:
Begegnen Sie jungen Menschen aufgeschlossen und freundlich. Und machen
Sie ihnen keine Vorwürfe! Vorwürfe vergiften schnell das Miteinander.
Übernehmen Sie ganz bewusst die Rolle des Älteren, der ganz großzügig
und gelassen den Jüngeren begegnet (auch wenn Sie alles anders machen
würden!). Geben Sie ihnen das Gefühl: „Du darfst so sein, wie du bist!
Und so mag ich dich!“ Das wirkt anziehend auf Jüngere, die sich dann
nicht mehr vor jeder Begegnung gegen Vorwürfe wappnen müssen. So
entsteht eine Atmosphäre, in der Menschen füreinander „interessant“
werden.
(9) Alte
und Junge in der Gemeinschaft – „Erfahrung und Experimente“
Ältere Menschen in der Gemeinschaft haben einen großen Erfahrungsschatz.
Sie haben infolgedessen gelernt, wie die Gestaltung ihrer
Gemeinschaftsarbeit „am besten“ funktioniert. Gemessen daran sind junge
Menschen relativ unerfahren. Deshalb sind sie meistens unbefangener und
experimentierfreudiger als ältere Menschen. Beides ist ein Segen für
jung und alt in unseren Gemeinschaften. Problematisch wird es aber, wenn
wir als Ältere durch die gutgemeinte Weitergabe unserer Erfahrungen
meinen, dass andere unsere Erfahrungen selbstverständlich übernehmen
müssen. Dies wirkt eher einengend und hemmend, bewirkt wenig Lust auf
das Miteinander. Die Folgen sind: offene oder heimliche Konflikte mit
gegenseitigen Vorwürfen. Um einigermaßen „im Frieden“ zu leben, geht man
sich dann lieber gegenseitig aus dem Weg.
Hinweis:
Freuen Sie sich über den Mix von „Erfahrung“ und
„Experimentierfreudigkeit“ in Ihrer Gemeinschaft. Fördern Sie als
Älterer besonders die „Dynamik“ junger Menschen. Denn dies ist eine Gabe
Gottes, die meistens älteren Menschen nicht mehr so gegeben ist. Sorgen
Sie sich nicht so sehr darum, dass „die Jungen“ etwas „falsch“ machen
könnten. Denn das dürfen sie sogar, wie wir Älteren übrigens auch. Geben
Sie jungen Menschen viel Freiraum zur Entfaltung. Und dann: Freuen Sie
sich darüber, was Gott alles daraus macht!
Hinweis: Unsere
Erfahrung ist ein wertvoller Schatz in unserem Leben. Sie bringt
Lebensweisheit, sie kann uns vor der einen oder anderen Dummheit
bewahren. Allerdings kann die Erfahrung uns auch sehr zu schaffen
machen, uns belasten und runterziehen. Mancher ältere oder alte Mensch
kann sehr leicht zu einem Gefangenen seiner viel zu tiefen, leidvollen
Erfahrungen werden. Also: Vorsicht vor der menschlichen Erfahrung!
Lassen Sie sich allein von Gottes Liebe, seiner Zuneigung zu Ihnen,
leiten! Diese „Erfahrung“ brauchen auch die jungen Leute.
Behalten Sie sie nicht für sich!
(10) Die
Kraft des Gebets – Gott will nicht ohne unser Beten handeln
Wenn
wir uns und unserer Jugend in der Gemeinschaft ein Zuhause geben und es
gestalten, dann müssen und dürfen wir das nicht allein tun. Wenn der
HERR uns nicht unser Zuhause einrichtet, dann wäre unsere ganze
Gemeinschaftsarbeit vergeblich (siehe dazu Ps. 127, 1). Gott sei Dank!
Er macht es! Und wir dürfen mitmachen! Wir sind von ihm eingeladen, uns
auch in dieser Sache vertrauensvoll im Gebet an ihn zu wenden. Nun
könnten wir aber meinen, dass erst unser Gebet Gott zum Tun bewegt. Wo
sich in einer Gemeinschaft solch eine Gebetseinstellung einstellt,
setzen wir uns unter einen unsagbaren Druck. Die Folge kann sein, dass
wir dann denken: „Wenn wir doch nur in dieser oder jener Sache mehr
gebetet hätten, dann hätte Gott uns mehr gesegnet!“ Oder: „Wenn wir viel
mehr im Gebet zusammenstehen würden, dann würde Gott uns viel mehr
beschenken!“ Eine solche Gebetseinstellung hat keine biblische Grundlage
und kann uns seelisch schwer zusetzen. Nicht wir bewegen Gott durch
unser Beten, sondern er bewegt uns.
Hinweis:
Beten Sie um ein gutes Zuhause – besonders auch für Jugendliche – in
Ihrer Gemeinschaft! Aber beten Sie in dem Wissen, dass Sie es mit Gott,
dem Allmächtigen, zu tun haben. Der allmächtige Gott ist der
allwirksame Gott. Er hat alle Fäden des Weltgeschehens in seiner
Hand, und damit auch das Geschehen in Ihrer Gemeinschaft. Wenn wir also
beten, sind wir nicht seine „Informanten“ (siehe z.B. Apg. 9,13.14).
Denn unser „Hüter schläft und schlummert nicht!“ (siehe Ps. 121,4). Wir
müssen deshalb keine Sorge haben, dass ihm etwas entgleitet oder dass er
etwas nicht mitbekommt. Sein Wille geschieht. In diesem Wissen dürfen
Sie beten!
Hinweis: Wenn Sie um
ein gutes Zuhause in Ihrer Gemeinschaft beten, dann dürfen Sie unseren
allwirksamen Gott als „unseren Vater im Himmel“ anrufen! Es ist wie in
einer glücklichen Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Vor allem
kleine Kinder sagen ihren Eltern ganz selbstverständlich, was sie
wünschen. Und die Eltern freuen sich darüber, wenn die Kinder mit ihnen
sprechen. Manchmal haben die Eltern schon längst in weiser Voraussicht
die Wünsche ihrer Kinder „geregelt“. Gelegentlich auch ganz anders als
es sich die Kinder gedacht haben. Und so tut es auch unser Vater im
Himmel mit seinen Kindern. Denn er kümmert sich um uns und unsere
Anliegen, noch bevor wir ihn gebeten haben (siehe Mt. 6,7.8). Als
unser liebender Vater hat er ein Verlangen danach uns zu hören. Er will
von uns gebeten sein. Wenn Sie also beten, dürfen Sie als sein Kind,
geborgen und behütet, mit ihm sprechen! Das tut Ihnen und Ihrem Zuhause
in der Gemeinschaft gut!
Hinweis: Unser Vater
im Himmel überträgt seinen Kindern aus Liebe ein gewisses Maß
Verantwortung. Obwohl er uns und unsere Gebete nicht nötig hätte, will
er ohne uns und unsere Gebete nicht handeln. So wie „gute Eltern“ ihren
Kindern Verantwortung übertragen, damit sie wachsen und reifen, so
überträgt uns unser Vater im Himmel Verantwortung für uns und die
Menschen um uns herum. Doch in aller Verantwortung, die er uns
überträgt, trägt er zuerst und zuletzt als unser Vater die ganze
Verantwortung! Oft ist auf Hinweisschildern zu lesen: „Eltern haften für
ihre Kinder!“ Für Gottes Kinder gilt: „Unser Vater im Himmel haftet für
seine Kinder!“ Dies hat er uns durch seinen Sohn Jesus Christus fest
zugesagt. Darum dürfen Sie ganz zuversichtlich Ihre von unserem Vater
übertragene Verantwortung wahrnehmen. Beten Sie regelmäßig für ein gutes
Zuhause von Jung und Alt in Ihrer Gemeinschaft! Gott will nicht ohne
Sie, er will mit Ihnen handeln!
Roland Tober
Einstieg
Stellen Sie sich vor, Sie würden in Ihrer Wohnung ein ganz besonderes
Experiment wagen und eine Wohngemeinschaft gründen, in der 20-jährige
und 60-jährige in einer Wohnung zusammenziehen. Klar, 20-jährige haben
noch kein eigenes Haus, also wäre es an Ihnen, die Jugendlichen
aufzunehmen.
Nun
ist der Tag des Einzugs da und die Jugendlichen erobern ihre Zimmer.
Alte und bewährte Wohnungseinrichtungen werden entsorgt und durch
flippige Designermöbel ersetzt. Poster an den Wänden und mannshohe
Lautsprecherboxen vollenden das Werk der vollkommenen Umgestaltung und
vertreiben sämtliche Erinnerungen, dass dies einmal ein Zimmer war, in
dem Sie sich wohl gefühlt haben.
Auch
die Koordinierung des Tagesablaufs bringt einiges an Diskussionsstoff:
„Gemeinsames Abendessen? Können wir nicht was „einwerfen“, wenn wir
Hunger haben?
Sonntags morgens um 8.00h frühstücken und dann in die Kirche? Wie soll
das denn gehen, wenn wir bis um 4.00h morgens in der Disco sind. Und
über die spießige Wohnzimmereinrichtung müssen wir auch noch mal reden.
Schließlich teilen wir uns ja das Wohnzimmer miteinander.“
Vielleicht würden Sie sich schnell fragen: Alt und Jung: Passt das
überhaupt zusammen? Welchen Sinn macht es, verschiedene Generationen
unter einem Dach zu vereinen? Lohnt sich die Mühe, so viel
Unterschiedlichkeit zusammen zu bringen?
Jung und Alt: Bringt´s das wirklich?
Auch
in der Gemeinschaftsarbeit muss erst einmal ganz realistisch gefragt
werden: Macht es wirklich Sinn, Jung und Alt zusammen zu bringen? Warum
sollten sich Jugendliche auf den Stil der Älteren einlassen, wenn er
ihnen gar nicht entspricht. Und warum sollten sich
Gemeinschaftsmitglieder um Jugendliche bemühen, wenn sie doch nur auf
Interesselosigkeit, Kritik oder Verständnislosigkeit stoßen, wenn es um
Gemeinschaftsveranstaltungen geht.
Schnell wird deutlich, dass Schritte zueinander nur möglich sind, wenn
auf beiden Seiten diese Frage geklärt ist. Nur wenn beide, Jugendliche
als auch die treuen Gemeinschaftsmitglieder, die Chancen der
Gemeinsamkeit vor Augen haben, ist der Nährboden für ein fruchtbares
Zusammensein gegeben.
Jung
und Alt zusammen, das kann für die Älteren heißen:
-
Jugendliche, die neue Impulse in die Gemeinschaftsarbeit geben.
-
Jugendliche, die eine neue Lebendigkeit einbringen.
-
Jugendliche, die einen Finger auf Dinge legen, die eh schon lange im
Argen liegen.
-
Jugendliche, die helfen, im Denken und Reden beweglich und offen zu
bleiben.
Jung
und Alt zusammen, das kann für die Jugendlichen heißen:
-
Ältere, von deren Lebenserfahrungen man profitieren kann.
-
Ältere, die schon einen längeren Glaubensweg gegangen sind und
dadurch einiges zu erzählen haben, aus dem man lernen kann
-
Ältere, von denen man sich im Gebet getragen weiß.
Diese
Chancen im Blick zu haben und zu begreifen, dass Jung und Alt
voneinander profitieren, sind erste Schritte zu einem echten
Miteinander. Diese Vision hilft dann auch die Hindernisse zu
überbrücken, um eine echte „Gemeinschafts-WG“ zu werden.
Jung und Alt: Da
versteh ich deren Welt nicht mehr!
Er
ist schon so alt wie die Menschheit selbst: Der Generationenkonflikt. Da
prallen Lebenswelten aufeinander und der eine versteht den anderen
nicht. Kein Wunder: Die ältere Generation hat im Laufe ihres Lebens
Erfahrungen gemacht, die zu einer festen Lebensauffassung geworden sind.
Durch ihren Erfahrungsschatz sind in ihnen Werte und
Einstellungen geformt, die sich für sie im Alltag bewährt haben.
Jugendliche hingegen sind erst noch auf der Suche nach Identität und
ihrem eigenen Weg.
So
stoßen zwei Dinge aufeinander: Die Lust nach Wagnis, Veränderung und
Wandel und das ebenso berechtigte Anliegen nach festen Werten und
Formen, die Sicherheit geben. Was für die Älteren als bewährt gilt ist
für Jugendliche bloße Unbeweglichkeit.
Gleichzeitig bietet die unterschiedliche Prägung, die die ältere und die
jüngere Generation erlebt haben einiges an Konfliktpotential. Das
Wertesystem, in dem Kinder und Jugendliche heute aufwachsen
unterscheidet sich grundlegend von dem, was die ältere Generation zu
seiner Jugendzeit erlebt hat. Während früher klare Leitlinien von außen
das Leben bestimmten, bestimmen heute Toleranz und Individualismus die
Gesellschaft. Eine echte Wertevermittlung scheint nur noch an sehr
wenigen Stellen stattzufinden.
Zu
den prägenden Verhältnissen, in denen Jugendliche aufwachsen sind
außerdem:
-
Die hohe Mobilität Jugendlicher. Mit 16 das Moped, mit 18 den
Führerschein. Ortsverbundenheit ist passé, man ist da, wo etwas los
ist. Jugendliche nutzen die Vielfalt der Angebote, auch in der
christlichen Szene. Hier ein Jugendgottesdienst, dort ein
christliches Konzert. Viele Jugendliche sind es nicht mehr gewöhnt,
länger an einer Sache zu verweilen und dran zu bleiben oder gar
Durststrecken in der Jugend- und Gemeindearbeit auszuhalten. Gerade
wenn attraktiveres im Nachbarort lockt.
-
Immer mehr Jugendlichen steht relativ viel Geld zur Verfügung. Das
prägt das Freizeitverhalten.
-
Die junge Generation wächst von Anfang an mit Computer,
Kommunikations- und Unterhaltungselektronik auf. Oft kennen sich
Sechsjährige besser mit dem PC aus als 60zig-jährige. 90% der
Teenager besitzen ein Handy. Früher erklärten Erwachsene den
Jugendlichen technische Geräte, heute ist es anders herum.
-
Jugendliche leben in einer bestimmten Kultur. Mode, Musik und
Unterhaltungselektronik prägen den Livestil.
Für
die ältere Generation ist es oft schwer diesen Lebensstil Jugendlicher
nachzuvollziehen und ihn so anzunehmen. Im Blick auf ihre eigene Prägung
haben sie kritische Anfragen an die Art, wie Jugendliche mit ihrer
Freizeit, ihrem Geld und ihrer Zeit umzugehen.
Auch
im konkreten Gemeindeleben reibt sich die Kultur der Jugendlichen mit
dem Stil der Älteren, den sie sich im Laufe der Jahre aufgebaut und für
gut empfunden haben.
Englische Lieder mit Bandbegleitung steht neben Paul Gerhard-Liedern mit
Orgelmusik. Peercings, gefärbte Haare und Flickenjeans beim Abendmahl
lösen bei der älteren Generation mehr als Befremdung aus. LAN-Party im
Gemeindehaus? Was passiert denn da?
Entscheidend ist nun, ob die junge und alte Generation den festen Willen
haben, einander zu verstehen oder ob sie sich beim Zusammenstoß der
Unterschiedlichkeiten mit rümpfender Nase voneinander abwenden.
Jung und Alt: Und wer
geht auf wen zu?
Die
Unterschiedlichkeit ist nun deutlich geworden. Die Frage ist jetzt nur:
Wie kann Trennendes überwunden werden und wer geht da auf wen zu?
Eine Hilfe finden wir im alten Testament im Buch Maleachi: Dort lesen
wir: “Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe der große
und schreckliche Tag des Herrn kommt. Der soll das Herz der Väter
bekehren zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern, dass ich
nicht komme und das Erdreich mit dem Bann schlage” ( Mal 3, 23+24).
Veränderung des Herzens, das ist wohl der Schlüssel für eine echte
Einheit der Generationen.
· Wenn
unterschiedliche Generationen anfangen sich gegenseitig wert zu schätzen
und zu lieben,
· wenn
sich Verständnislosigkeit in die Bereitschaft verwandelt, den anderen
verstehen zu wollen,
· wenn
festgefahrenen Positionen aufweichen und jeder sich bemüht, sich in die
Position des anderen wirklich reinzudenken,
· wenn
aus Hochmut (ich weiß es eh besser) echte Lernbereitschaft wird,
dann geschieht das was in Maleachi gemeint ist: Ältere „bekehren“ sich
zu den Jüngeren und die Jüngeren „bekehren“ sich zu den Älteren. Dann
ist eine Einheit möglich, wie wir sie auch in 2. Korinther 12 (Viele
Glieder ein Leib) finden.
Ob
es wohl Zufall ist, dass in Maleachi die ältere Generation als erstes
aufgezählt wird?
Vielleicht ist es gerade wichtig, dass diejenigen, die schon lange dabei
sind und dadurch sozusagen das Hausrecht haben, auf die Jüngeren
zugehen. Schließlich haben die, die vieles mit aufgebaut oder begleitet
haben, oft auch mehr Macht und Autorität. Da ist es doch besser, wenn
der „Stärkere“ auf den „Schwächeren“ als erstes zugeht.
Vielleicht ist die ältere Generation auch gerade deshalb aufgefordert,
weil sie in ihrer Lebensreife schon ein Stück weiter ist und dadurch
befreiter und mit mehr Weisheit Brücken bauen kann.
Jedoch darf der Vorsprung an Lebensweisheit im Gespräch mit Jugendlichen
nicht durch Besserwisserei eine falsche Richtung bekommen. Weise mit
Jugendlichen umgehen heißt, sich klar zu machen, dass sie selber ihre
eigenen Erfahrungen machen wollen und auch müssen und dazu ihre
Freiheiten brauchen. Dazu gehört von Seiten der älteren Generation
sicher auch das Einüben von Bescheidenheit. Gute Ratschläge geben, - zu
meinen, man müsse die Jugend vor etwas bewahren oder ihnen den rechten
Weg weisen, sind Dinge, die oft das Gegenteil bewirken. Wenn Jugendliche
auf der Suche nach Identität sind, hilft es ihnen auf ihrem Weg dahin
viel mehr, wenn Ältere erst einmal von sich erzählen, wenn sie
andererseits aber auch echtes Interesse an der Lebenswelt der Jugend
haben und versuchen sie zu verstehen. Und erfahrungsgemäß ist dann auch
der Weg geebnet, dass Jugendliche mit ihren Fragen auf Ältere zugehen.
Jung und Alt:
Praktische Anregungen
Möglichkeiten, eine Gemeinde- oder Gemeinschaftsarbeit
generationenübergreifend zu gestalten gibt es viele. Da sind der
Fantasie keine Grenzen gesetzt. Hier nur einige Ideen, die zu weiteren
Ideen Impulsgeber seinen können. Aber ich bin sicher, Ihnen fällt da
noch viel mehr ein!
-
Das Thema Jung und Alt in den einzelnen Gruppen zum Thema machen und
gemeinsam Aktionen zur Begegnung überlegen.
-
Gebetspatenschaften: Jugendlich beten für Ältere, Ältere beten für
Jugendliche. So kommen die Generationen automatisch ins Gespräch,
was ihren Alltag momentan ausmacht.
-
Ältere werden als Special Guest in den Jugendkreis eingeladen und
erzählen aus ihrem Leben. Das geht natürlich auch anders herum.
-
Grillfeste
-
Houseparty: Jung und Alt trifft sich zu einer kleinen „Party“ im
Jugendzimmer eines Teenagers.
Am
wichtigsten ist natürlich, dass einzelne aufeinander zugehen und das
Gespräch miteinander suchen. Kein Projekt und keine Aktion kann dies
ersetzen.
Thomas Clever
Dieser Text wurde von
Roland Tober und Thomas Clever erstellt für den Kongress „Perspektiven
2004“ des Westfälischen Gemeinschaftsverbandes. |