Dr. Christoph Morgner
Präses des Ev. Gnadauer Gemeinschafts-verbandes

Grundlagen Texte
Auszüge aus dem Bericht von Präses Dr. Christoph Morgner, Kassel, vor der Gnadauer Mitgliederversammlung im Februar 2005, die sich anlässlich des Startes des „Zahnrad-Prozesses“

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 „Gemeinsam sind wir stark!“
Zahnradfreizeit in Holland

Von Otto-Erich Juhler

Zahnradfreizeit – ein merkwürdiger Name

Zugegeben, ein nicht alltäglicher Name. Angeregt durch den Prozess im Gnadauer Verband „Zahnrad – gemeinsam bewegen“ kamen wir auf die Idee, eine Freizeit für alle Generationen anzubieten. In getrennten Häusern und doch auf einem Gelände sollten Kinder, Teenager, Jugendliche, Junge Erwachsene, Alleinerziehende und Familien gemeinsam 14 Tage lang Freizeit erleben. Als Freizeiten mit dem Symbol „Zahnrad“ wurden im Prospekt Freizeiten für die einzelnen Zielgruppen getrennt ausgeschrieben – aber unübersehbar als gemeinsame Unternehmung deklariert – vom 4. bis zum 18. August 2006.

Der Grundgedanke, den einzelnen Zielgruppen gerecht zu werden und dennoch ein gemeinsames Erlebnis zu schaffen, leitete uns in der Vorbereitung. Kinderreferenten, Jugendreferent, Inspektor, Geschäftsführer und ein Prediger bildeten das Leitungsteam, das die Freizeit plante und durchführte. Kompetenzbereiche wurden abgesteckt, jeder Leiter stellte das Mitarbeiterteam für seine Zielgruppe selbst zusammen.

Zahnradfreizeit – ein abenteuerliches Wagnis

Getrennt und doch gemeinsam! Gemeinsam und doch getrennt! – Ob das gelingen würde? Auf dem umgebauten Bauernhof „Hoeve Biestheuvel“ in Hoogeloon bei Eindhoven in den Niederlanden fanden wir den geeigneten Ort. Jede Zielgruppe hatte ihr eigenes Haus, die Erwachsenen drei Häuser. Ein großes Fußballfeld, mehrere Volleyballfelder, sowie Grünflächen und TT-Platten vor jedem Haus (durch eine Hecke abgegrenzt), Boulebahn, Spielplätze, Restaurant, Tennisplätze, Hallenbad, Indoor- und Outdoor-Minigolf, Seilgarten und Quadstrecke (einiges davon gegen Gebühr) zeigen die Vielfalt an Möglichkeiten auf, die genutzt werden konnten. Ein Strandbad am Badesee in der Nähe, Kerzenziehen und Käserei auf dem Bauernhof komplettierte die vielfältigen Angebote. Und viele Kilometer Radwege …

Zu unserer Überraschung und Freude meldeten sich knapp 140 Personen aus dem EGV Pfalz und darüber hinaus (incl. Mitarbeitende) zur Freizeit an. Das Wagnis konnte also beginnen.

Zahnradfreizeit – ein gelungenes Erlebnis

Um es gleich zu sagen: Es gelang! Trotz des nicht gerade idealen Wetters entwickelte sich eine Atmosphäre und ein gutes Miteinander, was so nicht unbedingt zu erwarten war.

Unter dem Thema „Gemeinsam sind wir stark!“ wurde in den täglichen Bibelarbeiten das Buch Nehemia durchgenommen. Nach einer Einführung in den Gruppen am Samstag feierten wir am Sonntag den ersten gemeinsamen Gottesdienst mit allen Teilnehmenden im großen Saal des Hofes (gestaltet wie ein Marktplatz), am folgenden Sonntag einen weiteren. Die spontan zusammengestellte Band begleitete die Anbetung und die gemeinsamen Lieder.

Gemeinsame Tagesfahrten nach Antwerpen oder wahlweise nach Amsterdam (mit Grachtenfahrt) oder Den Haag (mit Strandaufenthalt) wurden zu unvergesslichen gemeinsamen Unternehmungen. Wichtige Puzzleteile einer Verzahnung der Generationen bildeten die vielfältigen Workshops, die generationsübergreifend genutzt wurden und das Angebot eines Tischtennisturniers und der Erlangung des Zahnradsportabzeichens „Sich gemeinsam bewegen“, das nur gemeinsam von drei Personen aus unterschiedlichen Altersgruppen erworben werden konnte. Gemeinsames Kettcarfahren mit zwanzig Personen, Geländespiele, Fußball und Fahrradtouren sind nur einige Stichworte generationsübergreifender Erlebnisse.

Höhepunkt war der abschließende Galaabend, an dem sich jede Gruppe mit Beiträgen beteiligte. Die Küchenmannschaft entfaltete noch einmal ihr ganzes Können. Nach 3 ½ Stunden versuchten die Erwachsenen noch einmal im Schlaf Kraft für die Rückfahrt zu tanken, was den Teenagern und Jugendlichen eher nicht so wichtig war.

Zahnradfreizeit – eine nachhaltige Erfahrung

Die Auswertung des Fragebogens, den wir am Ende der Freizeit austeilten, spricht für sich. Die Durchschnittsnote betrug 2+.

Ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Freizeit mit ihrem vielfältigen, generationsübergreifenden Beziehungsgeflecht weit über das gemeinsame Erleben Wirkung hatte, zeigte der Besuch des diesjährigen Landesjahresfestes des EGV Pfalz in Kaiserslautern. Man hatte sich auf der Freizeit versprochen: „Wir sehen uns am Landesjahresfest!“ Und viele Freizeitteilnehmer kamen, die sonst noch nie dabei waren. Das Motto des Festes fand seine Bestätigung: „Versprochen ist versprochen!“ Eindrucksvoll war der Anblick, den die anwesenden Zahnradfreizeitler als Gruppe vor der Bühne bildeten.

Aber auch auf Bezirksveranstaltungen tauchten fremde Gesichter auf und man ahnte: Die Zahnradfreizeit hat Beziehungen geknüpft, die nachhaltig wirkten.

Zahnradfreizeit – ein Fazit

Auch wenn es für die Leiter und Mitarbeiter mit mehr Arbeit (vor allem im Bereich der Koordination und Abstimmung zwischen den Gruppen) verbunden war als es eine „gewöhnliche“ Freizeit, so werden wir uns dem Wunsch nach „Noch einmal!“ wohl nicht entziehen können – vielleicht in 3-4 Jahren. Für Familien brauchen wir dann eine Umgebung, mit abwechslungsreicheren Angeboten – auch der Wunsch nach mehr Nähe zum Meer war unüberhörbar.

Überraschenderweise kam von den Teenagern und Jugendlichen das positivste Echo auf das Miteinander der Generationen. Nähe und Distanz der Eltern zur Kinderfreizeit mit ihren eigenen Kindern muss besser geregelt werden, sonst entsteht Stress für alle, für Eltern, Kinder und Mitarbeiter.

Die geplante Einführung ins Nachbarland mit seinen Besonderheiten und in die dortige Gemeinschaftsbewegung durch die „Gnadauer“ aus den Niederlanden musste leider kurzfristig ausfallen. Sie hätte noch einen besonderen internationalen Gnadauer Akzent gesetzt.

Wenn ein Gemeinschaftsverband mit ca. 3000 Mitgliedern und Freunden 140 Personen (Knapp 5%) dazu bewegen kann, auf eine einzige Freizeit mitzufahren, zeugt das von einer hohen Identifikation mit dem Verband und seiner guten generationsübergreifenden und –verbindenden Struktur. Das macht Hoffnung für die Zukunft.

Otto-Erich Juhler, Inspektor des Evangelischen  Gemeinschaftsverbandes Pfalz, lebt mit seiner Familie in Wartenberg-Rohrbach.